Kommenter der Woche vom 17.11.2019
Blockade durch Überregulierung – und deren Herkunft aus einem falschen Staatsverständnis
Liebe Leser,
wenn Sie AfD-affin sind, ist das eigentlich ein sicheres Zeichen dafür, dass Sie das Eine oder Andere in unserem Staat nicht in Ordnung finden. Wir gelten ja gemeinhin als übellaunige Gesellen, die Anderen den Spaß an ihrem Offene-Grenzen-Windmühlen-Nullzinsparadies verderben wollen. Woher diese angebliche Charakter-Garstigkeit, die man uns unterstellt? Der spanische Philosoph Ortega y Gasset - ja, ich habe ihn in einer Zitatensammlung gefunden und nicht in der „Wirtschaftswoche“ - hat es so formuliert: „Hartnäckige Übellaunigkeit ist ein klares Symptom dafür, dass ein Mensch gegen seine Bestimmung lebt.“ Dazu gehört dann auch, dass der Mensch unzufrieden ist, wenn er genötigt ist, gegen seine Selbstbestimmung zu leben: Müsste ich das Phänomen AfD erklären, dann wäre die Popularität unserer Partei zu sicherlich 60% schon mit so einem Aphorismus beschrieben. Wir sind unzufrieden, weil man sich eben kein richtiges Leben in dem falschen Leben einrichten kann, das man für uns veranstaltet. Es gibt Leute, die trösten sich mit Shopping, Gourmet-Ambitionen, Partys und dergleichen, solange sie noch können. Im Grunde machen wir konservativen Patrioten eine Ohnmachtserfahrung durch: Unsere Gegner sind der Meinung, sie seien die Guten und Richtigen. Sie verlieren die Geduld mit der bürgerlichen Opposition, und weil sie angeblich das „Richtige“ schon haben und sich nun durchsetzen wollen, stört sie das Recht (nämlich die Unparteilichkeit desselben) im Umgang miteinander zunehmend mehr. Ich glaube, dieses Land hat niemals in einer derartigen Penetranz erlebt, dass man gewählten Volksvertretern einfach das Mikrofon abdreht, wenn sie die berechtigten Sorgen der Bürger und Wähler artikulieren wollen. Wir haben noch nie eine solche Würdelosigkeit in einem Parlament erlebt, das sich offenbar zum Ziel gesetzt hat, gegenüber allen obrigkeitlichen Ansprüchen so kreuzbrav zu spuren und nur niemals die Stimme über Dingen zu erheben, über die man sich als normal gestrickter Mensch nun einmal aufregen MUSS. Es wird auf sterile Etikette geachtet und eine Form erzwungen, wenn der verhandelte Inhalt, Pardon, längst aus allen Löchern nach Zersetzung und Degeneration stinkt. Die Sache ist im Kern kaum den Aufwand wert: Es wird nämlich mit gewählten Volksvertretern inzwischen umgegangen, als hätten wir im Landtagspräsidium völlig überforderte KiTa-Erzieherinnen sitzen, die mit lästig bewegungsfreudigen und ihnen geistig bereits im Knabenalter längst haushoch überlegenen, Ernsthaftes treiben wollenden Zöglingen (nehmen Sie nur die Doctores Fiechtner oder Gedeon) nur noch so umzugehen wissen, dass sie ihnen das Maul stopfen, sie disziplinieren und sie schlafen schicken wollen. Und die dümmeren Kinder machen dann noch mit, und klatschen, weil sie nachher ein Bonbon bekommen. Freilich werden (um im Bild zu bleiben) irgendwann die Eltern aufstehen und sagen, dass sie für ihre Gebühren auch Leistung und Fortschritte verlangen und keine jämmerliche Verwahranstalt mit brav vorgetragenen Lobgedichtlein auf den weisen Vater aller „Landesväter“ und sonstigen inhaltlichen Schund oder Kinderscheren-Basteleien mit ausschließlich grünem Buntpapier. Diese Menschen fühlen sich heute ja sogar allerorten von politischen Extremisten bedroht, und, ehrlich gesagt, angesichts der zunehmenden Bedeutungslosigkeit, die sie sich selber mit voller Begeisterung beibringen, frage ich mich schon – wieso denn? Wer sollte von solchen Leuten etwas wollen? Wer braucht, wie seinerzeit über Herrn Drexler als NSU-Untersuchungs-Ausschußvorsitzenden erzählt wurde, seine mutmaßlichen Verfolger mit verschiedenen KIA-Automobilen zu verwirren? Ich meine, das klingt doch schon wie eine unfreiwillige Parodie, oder? Im Präsidium haben wir – figürlich gesprochen – keine Raketenwissenschaftlerinnen sitzen. Geistige Beweglichkeit hat immer auch echten Humor. Und wer aus einer etablierten gesellschaftlichen Schicht kommt, der ist in der Regel auch großzügig gegenüber anderen, intelligent vorgetragenen Standpunkten, nach dem Motto „Leben und leben lassen.“ Doch leider, verzeihen Sie bitte den groben Ausdruck, ist es in jeder behäbigen, sich selber wie eine Teekuchen-Puppenstube verwaltenden, in einem bequemen Scheinfrieden leben wollenden Gesellschaft nun einmal stets so, dass das talentarme Mittelmaß die Klug_______er, die nun einmal in der Sache Recht haben und ihm den Spiegel vorhalten, eliminieren will. Die Klügsten haben es nicht leicht, weil sie die Folgen der dummen Handlungen Anderer abzuschätzen vermögen. Auch die Grünen gehen mit ihrem Palmer heute so um. Wenn dann aber eine existenzielle Krise kommt, dann holt man sich genau diese klugen, analytischen, so unbequemen Leute. Wir werden sie bald wieder brauchen.
Wir selbst machen als Einheimische die Erfahrung, dass Staat und Gesellschaft auf einem grundfalschen Kurs sind - Entmündigung der Bürger, Selbstentmündigung ihrer gewählten Vertreter, Aufgabe der eigenen Souveränität in politischer und vor allem in kulturell-geistiger Hinsicht, Aufgabe der Grenzen und des eigenen Staatsterritoriums und dessen Freigabe als Siedlungsgebiet, Verwandlung der eigenen Geschichte in ein reines Verbrecheralbum (von Helmut Schmidt so formuliert), Leugnung der deutschen Eigenschaft des deutschen Staates, Klima-ideologische Planwirtschaft mit Elementen postwissenschaftlichen Schamanentums und dergleichen mehr lassen uns an einer lebenswerten Zukunft in unserem eigenen Land zweifeln. Erwachsene, gut ausgebildete Politiker lassen sich von frechen Rotzlöffeln die Welt erklären und sagen noch Danke dafür, dass "die Jugend" (oder was dafür ausgegeben wird) sich "für Politik interessiert" und ihnen brutal ihre Forderungen diktiert. Das nennt man dann einen befruchtenden Diskurs. Offenbar hat der „alte europäische weiße Mann“ seinen Selbstgewissheit, seinen Stolz auf seine eigenen Leistungen in den Müll getreten und winselt heute um die Anerkennung irgendwelcher verdienstloser Emporkömmlinge, denen er die Zukunft seiner Kinder als Spielball überlässt.
Wie so oft, habe ich in der Schweizer Presse Anregendes zu meinem Kommentarthema gefunden, der chronisch schlechte Laune machenden Überregulierung, in diesem Fall eine Buchbesprechung des NZZ-Autors Thomas Fuster zu: Pierre Bessard, Olivier Kessler (Hrsg.): Staatliche Regulierung. Wie viel und überhaupt? Edition Liberales Institut, Zürich 2018., 265 S., Fr. 24.80. – s. https://www.nzz.ch/…/warum-der-moderne-staat-zur-ueberregul…. Wie kommt es zu dem Phänomen überhaupt? Intuitiv klingt hier etwas an, was ich in unserem eigenen Parlament beobachte. Die Erklärung ist der ideologisierte Staat, der nicht auf die Bewältigung konkreter Problemlagen ausgerichtet ist. Stattdessen trifft er Regelungen, die immer mehr gesellschaftliche Bereiche nach seinen weltanschaulichen Vorstellungen strukturieren sollen - zwanghaft „das Gute“ schaffen wollen. „Das Gute“ wird dann in Verwaltung gegossen, und den Rest kann man sich denken. Er will im Grunde nicht das Funktionieren der bestehenden Gesellschaft gewährleisten und akzeptiert diese nicht mehr, wie sie ist; er will eine Gesellschaft nach seinem utopischen Weltbild bauen. Er geht sogar so weit, Multiethnizität bewusst schaffen zu wollen, wo keine war, um irgendeinen in den USA abgeschauten Unsinn zu beweisen. Um es ketzerisch zu sagen: Unsere bundesrepublikanische Gesellschaft hatte zwei Generationen lang keinen Krieg und auch keine gravierenden inneren Umwälzungen - den Beitritt der DDR 1990 betrachte ich hier als einen „technokratischen“ Vorgang, als die wirtschaftliche und politische Angleichung eines Teils Deutschlands, der eine andere politische Entwicklung nahm, der aber in wirtschaftlicher und demographischer Hinsicht weniger Gewicht als der aufnehmende Landesteil hatte. Entsprechend wurden Strukturen und Besitzstände geschaffen und verteidigt, wurden mit Zinnen, Bastionen und Zuckerguss geschmückt. Man hatte Zeit für „das Gute“ und jetzt sucht man sich hungrig immer neue Spielfelder, um „das Gute“ durchzuspielen und sich an seiner eigenen Schöpferqualität zu ergötzen. Die realen Menschen und ihre Bedürfnisse scheinen da eher ein Störfaktor zu sein, sie werden bei dem ungeheuerlichen Psychotrip in Geiselhaft genommen. Dieser Staat hat sich von einer Schutzgemeinschaft seines Staatsvolkes in eine ungeheuerliche Maschine zum Wirken „des Guten“ verwandelt, und sie schreit nach Input, holt sich Klientel, holt sich symbolisch-rituelle Daueropfer-Gruppen, der er Gutes tun kann. Die Notwendigkeit struktureller Reform wurde stets im besten Fall mittels Anpassungen und neuen Kompromissen der Interessen vertagt und allzu große Klüfte durch zunehmende Umverteilung aus gefüllten Töpfen übertüncht und Bedürfnisse ruhiggestellt. Sie kennen doch die seit 2015 gängige offizielle Phrase „Keinem wird etwas weggenommen!“ (doch, Ihnen Ihre Steuern natürlich!) – ich werde darauf nachher unter dem Namen „Pareto-Optimum“ zu sprechen kommen. Wenn aber die Maschine ihre eigene Glorie verwirklichen will, dann wird sie schlicht unter der Prämisse, allen Hiesigen gehe es doch bereits gut, Menschen importieren, an dessen sie ihre Glorie beweisen kann. Der Konflikt zwischen der staatlichen Glorienmaschine und den Menschen, denen es eben nicht so gut geht (allein schon, weil sie ihrer Heimat entfremdet werden), ist absehbar. Ebenso absehbar ist dann auch die Diffamierung und Kriminalisierung der unzufriedenen eigenen Bürger.
Vor allem aber hat sich dieser Staat ein Bild vom schwachen und nichtinitiativen Menschen geschaffen, vom Klienten(oder gar Opfer) und nicht vom Akteur geschaffen. Denn Zuständigkeit gibt Macht. Für diesen Klienten müsse der Staat für alle möglichen Existenz-Eventualitäten Angebote schaffen und diese nach dem Gebot der Gerechtigkeit minutiös verrechtlichen. Er hat im Sinne der „Maschine zur Verwirklichung des Guten“ einen Gerechtigkeitsanspruch errichtet, der heute ans Groteske grenzt, indem es unter dem Schlagwort der „Chancengerechtigkeit“ im Grunde unabhängig von der eigenen Befähigung und Leistung gleich gut (oder, da es nicht allen gut gehen kann, eben gleich schlecht) gehen soll. Er hat diesen Anspruch de facto auf die ganze Weltbevölkerung ausgedehnt, deren Wohl und Heil er aber nur in den Grenzen seiner eigenen Rechtsordnung, also seinen physischen Grenzen verwirklichen kann. Dass er eine internationalisierte UN-Herrschaft anstrebt, ist da nur konsequent. Dabei wird der Gerechtigkeitsbegriff konsequent „primitivisiert“ und in tumbdeutscher Weise barbarisiert – Gleichheit sei nun Gerechtigkeit. Gerechtigkeit wird nicht mehr als die Gewährleistung gleicher Entfaltungsmöglichkeiten (Chancen) verstanden; Gerechtigkeit wird als das gleiche Resultat für alle definiert. Und natürlich wird auch dieser Unsinn der deutschen Verwaltungsgründlichkeit anvertraut und klaglos umgesetzt. Entsprechend sind ein blühendes Quotenunwesen und sogar eine künstliche Sprache entstanden, deren normative Kraft im amtlichen Gebrauch die weltanschaulichen Prioritäten der angeblich all-gerechten Gesellschaft in der Wirklichkeit verankern soll. Mir scheint, als seien neben der deutschen vor allem die skandinavischen (norwegischen, schwedischen) Gesellschaften für derartige kollektivistisch-sozialegalitäre Versprechungen und Zerebralblähungen besonders anfällig, die sich dann auch besonderen Vergünstigungen für Minderheitengruppen äußern, die zu den symbolischen Dauer-Benachteiligtengruppen par excellence erhoben und geradezu kultisch gefeiert werden. Wir sehen das hier ja auch.
Der Deutsche lebt in schärfstem sozialem Konkurrenzkampf mit seinem Landsmann, dem er nichts nachlässt. Denken Sie an den Auto-Größenwettbewerb in jeder beliebigen Reihenhaussiedlung. Er sucht sich Symbolgruppen, an denen er seinen Bedarf an altruistischem Wohlgefühl dann für die eigene Stellung angeblich unschädlich („es wird niemand etwas weggenommen“) abarbeiten kann. Die Überregulierung ist eine völlig logische Folge der staatlichen „Gut-Maschine“, die das Paradies nicht mehr dem lieben Gott überlässt, sondern zu ihrem Existenzzweck erhebt. (Dieser „Existenzzweck“ setzt voraus, dass Krisen nicht stattfinden oder wegsimuliert werden). Damit wird natürlich die Eigeninitiative der Starken und Selbständigen dauerhaft frustriert, die sich zur Lösung ihrer Herausforderungen selber befähigt sehen, aber durch aus ihrer Sicht völlig unsinnige staatliche Ziele gegängelt und behindert werden. Die gar kein vermeintliches Paradies hier wollen oder brauchen, das uns jetzt unter der Drohung des Weltuntergangs übergestülpt werden soll. Sie wollen z.B. als Unternehmer nicht für eine unsinnige „Energiewende“ geradestehen, wollen als Bauherren oder Vermieter keine ideologischen Klima-Gesslerhüte finanziell bedienen, wollen als Landwirte selbst entscheiden, wann man sinnvoll pflügt, oder wollen als Bürger nicht ihre Zeit mit den erzwungenen, sperrigen Bürgerinnen-und-Bürger-Lippenbekenntnissen von Funktionären jeder Ebene als vermeintlicher Gleichberechtigungsnachweis gestohlen bekommen. Gerade letzteres Phänomen, die penibel-rituelle Adresse an sämtliche Geschlechter, der Gender-Neusprech, zeigt heute wie kein anderes, in welchem Maße unser Verwaltungshandeln von der Verneigung vor den an Zahl und Dichte ständig zunehmenden ideologischen Gesslerhüten des ideologischen Staates geprägt ist! Es zeigt auch, wie viele reale Stellschrauben der gesellschaftlichen Situation (z.B. die für Ausländer de facto nicht mehr existierenden Grenzen) als Neu-Tabus aus der Problemlösung ausgenommen sind. So können Sie heute an einer Tagung eines Trägers der Freien Wohlfahrtspflege teilnehmen, wo ernsthaft über die Wohnungsnot bedürftiger Schichten diskutiert wird. Sie müssen dort z. B. eine Landesbauordnung zur Kenntnis nehmen, die zur Bereitstellung von nicht selbst genutztem Wohnraum aufwendige energetische Sanierung zwecks glaubens-rituellem „Klimaschutz“ zur Pflicht macht (abgesehen von Sperenzchen wie Fahrradstellplätzen oder Zwangsbegrünung) und die es aus ideologischen Weltrettergründen nicht einfach dabei bewenden lassen kann, bedürftigen Menschen Wohnraum zu 7 – 8 Euro / qm Mietpreis zu schaffen. Sie müssen zur Kenntnis nehmen, dass man von einer „ethischen Frage“ sprechen will, wenn Sie das Thema Migrantenzustrom als objektive Ursache von Wohnungsknappheit aufwerfen, und man Sie dann auf „Lösungsorientiertheit“ der Veranstaltung verweist (erinnern Sie sich: „Jetzt sind sie nun mal da!“). Ein besonders eklatantes Beispiel haben Sie beim politisch partout gewollten und mit aller fiskalischen Brutalität von lästiger Konkurrenz befreiten Elektroauto https://www.eike-klima-energie.eu/…/co2-flottenemissionen-…/. Ich bin einmal gespannt, was aus der großspurigen E-Auto-Fabrik des Herrn Musk in Brandenburg werden soll, und was angeblich 10 Tsd. Mitarbeiter dort eigentlich tun sollen. Mir scheint, dass unsere Merkel-Regierung dringend Siegesmeldungen braucht und man Musk mit großzügigen Subventionsankündigungen um den Bart gegangen sein dürfte. Nun sagt Herr Musk, die Nähe eines Flughafens sei ihm wichtig gewesen – hier riecht die Sache nach Potemkin’schen Dörfern. Nun ja, welcher Berliner Flughafen? Hier haben wir ein herrliches Beispiel für Überregulierung, die zur Paralyse führt. Hätte man die Einrichtungen eines bestimmten Planungsstandes mit Bestandsschutz akzeptiert, dann hätte der Flughafen gebaut werden können. Ähnlich ist es mit irgendwelchen Umsiedelungen von durchaus frei beweglichen Eidechsen beim Bahnbau. Der Weltverbesserer-Götzendienst hat sich verselbständigt und erdrückt die Bedürfnisse der Bürger. Im Paradies gibt es nun einmal kein Sich-Abfinden mit Mängeln.
Zur Vervollständigung ein Zitat des Autors Fuster in NZZ (26.12.2018) aus der o. g. Buchbesprechung, das mich zu bestätigen scheint: „Der Staat bemächtigt sich immer mehr solcher Aufgaben, von denen er eigentlich getrost die Finger lassen könnte. Resultat ist eine Flut von Gesetzen, welche die Freiheit des Einzelnen einengen, ohne dass hierzu eine erkennbare Not bestünde. Diesem Phänomen eines oft kafkaesk wirkenden Formalismus hat das Liberale Institut ein schlankes Buch gewidmet. Die Autoren – Ökonomen, Juristen, Philosophen – verbindet nicht nur ihre Kritik an einem «Nanny-State», der seine Bürger behandelt wie Kleinkinder, die einer straffen Erziehung bedürfen. Es eint sie auch die Neugier, wie die Basis solchen Verhaltens, nämlich ein zutiefst antiaufklärerisches Menschenbild, überhaupt entstehen kann. (…) betont die Eigeninteressen der Verwaltungsbeamten und zeigt, warum Behörden und Bürokraten keinerlei Interesse daran haben, ein Problem, zu dessen Lösung sie beauftragt worden sind, auch tatsächlich zu lösen. Lösten sie es nämlich, würden sie überflüssig. Daher gilt: Probleme, nicht Lösungen bilden die Grundlage bürokratischer Macht. (…) Nicht jede technische Neuerung muss in ein regulatorisches Korsett gepresst werden, nicht jeder skandalöse Einzelfall verlangt nach einem Gesetz, um Ähnliches – und noch viel mehr – in Zukunft zu verhindern. Oft fehlt dieser Mut. Offenbar ist der Horror Vacui (d.h. die Furcht vor der Leere – ES) unter Gesetzgebern weit ausgeprägter als ihr Skrupel gegenüber einer Entmündigung des Bürgers.“ (Zitat Ende). Wir sehen hier dreierlei: 1. Es werden Probleme verwaltet, die Stellen schaffen. 2. Es werden Probleme scheingelöst, wo man administrativ eine Handhabe findet. 3. Die „Maschine des Guten“ muss ihre Existenzberechtigung durch laufende hektische Tätigkeit beweisen. Im Ergebnis ist das, wie wenn man seinen verlorenen Autoschlüssel partout unter der Straßenlaterne sucht, weil dort zufällig Licht ist. Und mit solcher Aktivität werden dann kühne „Erfolgsmeldungen“ produziert, die die Existenzberechtigung des Apparats nachweisen sollen. Der Staat erzieht die Bürger zu Klienten und Schwächlingen, weil er so seine Macht vertiefen kann. Plastiktüten verbieten und so.
Anstelle der Wurzel eines Problems, werden diejenigen sichtbaren Aspekte oder Bevölkerungsgruppen bürokratisch getriezt, denen man bürokratisch beikommen kann, weil sie sowieso schon kontrolliert werden. Ein Klassiker sind die Landwirte, die man für Alles und Jedes verantwortlich macht, bis hin zum Methanrülpser der Kuh, und einer rigorosen Planwirtschaft unterwirft – sie können ja nicht abwandern. Ein Klassiker sind auch die immer neuen Schuldgruppen, von den Rauchern über die Dieselfahrer bis hin zu den Fleischessern, die immer neu identifiziert und mit grausigen Kampagnen für das Ungemach der Welt verantwortlich gemacht werden, die nach dem Willen der Politik doch so schön sein könnte. Die findet dann wieder einen Regelungsbedarf und neue Umerziehungskampagnen. Ich schildere Ihnen auch in diesem Text wieder meine symptomatischen Impressionen und hoffe, dass sich für Sie ein Bedeutungszusammenhang nachvollziehbar wird. Eine gute Illustration lieferte die von der AfD beantragte Aktuelle Landtagsdebatte vom 14.11. zur neuesten Verschärfung des Waffenrechts, zu welcher der Abgeordnete Udo Stein feststellte: Im ganzen Bundesgebiet werden laut Bundeskriminalamt gerade einmal 23 (!) Straftaten mit legalen Waffen verübt, was „ein Fünfmillionstel“ des gesamten legalen Waffenbestandes in privater Hand in Deutschland ausmacht. Anstatt den Import illegaler Waffen insbesondere vom Westbalkan zu unterbinden und damit das Problem an der Wurzel zu lösen, werden, so Udo Stein, die am schärfsten kontrollierten und (mit erweitertem polizeilichem Führungszeugnis) als zuverlässig erwiesenen Bürger noch mit neuen Auflagen und vor allem einem staatlichen Grundmißtrauen belastet und wieder eine Problemlösung simuliert. Die Blockade TATSÄCHLICHER Reform durch Überregulierung ist ein Thema, das jeder spürt. Derweil hat eine überentwickelte Verwaltung die Durchsetzung des Irrsinns perfektioniert: Die ideologischen Weichenstellungen der gloriosen „Gutmaschine“ werden als „Querschnittsaufgabe“ in jeglichem Verwaltungshandeln umgesetzt, bis hin zur ideologischen Säuberung auch der letzten Völkerkunde-Museumssammlung.
Bedenklich an dieser deutschen Hingabe an die Sache ist, genau wie in den Zeiten der Diktatur, dass akribisch jede frühere Betrachtungsweise getilgt werden soll. Am Baum der Erinnerung sollen keine „Augen“ stehenbleiben, die eine alternative Entwicklung ermöglichen. Die Idiotie vom Tage soll (entweder aus Überzeugung oder aus Verzweiflung) bewußt alternativlos gemacht, eine Rückkehr zu vernunftgesteuertem Handeln unmöglich gemacht werden. Diskurs mit Andersdenkenden und Pluralismus sind nicht mehr erwünscht. Wer im Parlament herzhaft zur Sache kommt und Klartext redet, dem wird – wie oben dargelegt - längst das Mikrofon abgedreht. Jedes Korrektiv für ein aus der Spur gelaufenes System wird als unerwünscht ausgemerzt, die Keime des System-Verfalls werden bedingungslos verteidigt und auch noch als Fortschritt gelobt. Wer so von sich überzeugt ist (oder so desperat ist), dass er Brücken hinter sich niederbrennen will, der will kein Korrektiv mehr. Unser Staat beschäftigt etwa 1,7 Millionen Beamte. Sie werden heute im Grunde dafür eingesetzt, eine inzwischen falsch gewordene Idee – die Idee des Weltverbessererstaates – um jeden Preis in Bewegung zu halten und in immer mehr skurrilen Details auszuschmücken. Für einen Beamten fällt im Durchschnitt ein Rückstellungsbedarf von 800 Tsd. Euro an Pensionen und sonstigen Ansprüchen an. Daraus folgt, dass wir, wenn wir uns diese Beamtenschaft leisten, sie nicht für die Verwaltung des Abgelebten und durch die Wirklichkeit Widerlegten einsetzen sollten, sondern für den Wiederaufbau dessen, was uns trägt: Nicht zu noch mehr Minderheitentyrannei, noch mehr „Welt- und Klimagerechtigkeit“, noch mehr New-Age-Wissenschaftsfeindlichkeit und Einfaches-Leben-ohne-Zahnarzt-Pseudoidyllen, sondern zurück zu realen Bedürfnissen. Unsere Gesellschaften haben sich eine Auszeit genommen, sind mit verträumt-offenem Munde wie antriebslose Kiffer auf ihrem Sofa liegengeblieben, schwadronieren schillernd Blasen und rücken ihre Kissen hin und her. Draußen klopft der Hausherr, die Wirklichkeit, energisch an die Tür, aber wir stimmen nur ein noch lauteres Liedlein gegen die Wirklichkeit an. Das muss sich ändern. Die Grenzen liegen, gesellschaftspolitisch betrachtet, z.B. in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Volkes, in der Integrität seines Heimatgefühls. Bin ich hier noch zuhause? Und die Grünen glauben noch in der Haushaltsrede vom 14.11., „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ mit Umverteilung kaufen zu können. Auch die „paradiesische Optimierung“ einer Gesellschaft, und der Gedanke reizt mich, muss sich doch mit volkswirtschaftlichen Begriffen quantifizieren lassen. Immerhin reden wir von Einsatz und von Nutzen des Einsatzes. Hierzu interessiert der Begriff Pareto-Optimum. Ich führe die Definition der Wikipedia an (vom 14.11.2019): „Ein Pareto-Optimum (auch Pareto-effizienter Zustand) ist ein Zustand, in dem es nicht möglich ist, eine (Ziel-)Eigenschaft zu verbessern, ohne zugleich eine andere verschlechtern zu müssen. Das Pareto-Optimum ist nach dem Ökonomen und Soziologen Vilfredo Pareto (1848–1923) benannt. Die Menge aller Pareto-Optima heißt auch Pareto-Menge (auch Pareto-Front). Das Pareto-Kriterium ist die Beurteilung, ob ein Zustand sich durch die Veränderung eines Zielwerts verbessert (Pareto-Superiorität), ohne auch nur einen anderen Zielwert verschlechtern zu müssen. Vilfredo Pareto bezog sich ursprünglich nicht auf Zielwerte/Eigenschaften/Kriterien (mitunter auch „Merkmale“ genannt), sondern auf Individuen. In Bezug auf Individuen kennzeichnet ein Pareto-optimaler (Pareto-effizienter) Zustand einen Zustand, bei dem es keine Möglichkeit gibt, ein Individuum besser zu stellen, ohne gleichzeitig ein anderes schlechter zu stellen.“ Was heißt das mit weniger Bombast? Kurz gesagt: Man kann nicht alles haben, muss Prioritäten setzen, und man muss wissen, wo man aufhören muss, um nicht alles zu zerlegen. Opfert der Regierende nun seine Ideale oder opfert man sein Volk, und was ist dann verantwortliche Politik? Hier haben Sie ein schönes Kriterium für die Bewertung Ihrer gewählten Volksvertreter. In Schweden – seit dem 1960er Jahre sozialdemokratischen „Volksheim“-Begriff der klassische Gutmenschenstaat - ist das Pareto-Optimum klar überschritten. Die „Guten“ haben sich übernommen und schaffen ihre eigenen kulturellen Lebensgrundlagen ab, weil ein ernsthaftes parlamentarisches Korrektiv noch fehlt. Einwandererbanden tragen ihre Fehden mit Sprengstoff aus, und Dänemark führt gegenüber dem Nachbarland deshalb Grenzkontrollen ein. Jedoch ist vor lauter politischer Korrektheit über die tatsächliche Urheberschaft zu sprechen Tabu (s. Basler Zeitung vom 13.11.2019, https://www.bazonline.ch/…/s…/krieg-der-gangs/story/13017323). Derweil vermeldet das Internetportal Freie Welt der Zivile Koalition e.V. am 7.10.2019 (s. https://www.freiewelt.net/…/kulturmarxisten-in-schweden-wo…/), die Schwedische Nationale Agentur für Erziehung habe empfohlen, in den Schullehrplänen den Unterricht in Alter Geschichte, Mittelalter und Früher Neuzeit zugunsten von Gender-Rollen, Migration, Klima und „Social Justice“ zu streichen. So sieht die Selbstvernichtung der ideologischen „Gutmaschine“ dann real aus – sie hat ihr eigenes physisches und geistiges Fundament vernichtet. Meine Folgerungen sind eigentlich klar: Die „Auszeit“ unserer einheimisch-europäischen Gesellschaften muss enden. Ich sehe derweil den Schlüssel in einer naturwissenschaftlich-fundierten Bildung, basisdemokratischen Elementen und einer konsequenten Rückführung des fehlgesteuerten Beamtenstaates auf die Bereiche der vom Staat zu gewährleistenden Daseinsvorsorge. Ein Bürger kann kein Klient sein; das kann nicht gesund sein. Man kann ihn zu Tode beraten, indem man ihm einredet, irgendein persönliches Unglück oder eine bestimmte Zurücksetzung seien der Grund für ein vermeintlich schief gegangenes Leben, das nun zurechttherapiert werden könne. Der Mensch ist in meinem Menschenbild vor allem eigenverantwortlich. Wem ein Unglück widerfährt, der zieht Bilanz, wie er sein Leben ordnen und auch fortan gestalten kann. Denn kein Staat kann eine umfassende Lebens- oder gar Glücksversicherung sein und Unglück ungeschehen machen, auch wenn er gerade dies heute so hartnäckig verspricht, sich unentbehrlich machen will, und die Bürger in die Rolle von unselbständigen Geschöpfen drängt. Damit betrügt er die Hilflosen mit unmöglichen Illusionen und er frustriert die, die selber entscheiden wollen und können. Im Interesse der Zukunft – weg damit.
Ihr Emil Sänze









