Kommentar der Woche vom 10.11.2019
Der Verlust der Freiheitlichkeit – der deutsche Bürger und Patient
Liebe Leser,
Unser Grundgesetz kennt in den Artikeln 1 bis 20 einen schönen Grundrechtekatalog, einen inhaltlichen Kernbestand mit Ewigkeitsintention. Daß die tägliche Praxis leider manchmal anders aussieht, brauche ich Ihnen als mutmaßlich AfD-affines Publikum nicht darzulegen. Ich persönlich glaube, daß die Freiheitlichkeit das nächste große Thema für unsere Partei wird. Denn die Gewichtung zwischen den behaupteten Rechten des Staates und den Individualrechten hat sich spätestens seit dem Herbst 2015 weg von den Individualrechten verschoben: Laut ZEIT sind inzwischen 63% der Deutschen der Meinung, man dürfe seine Meinung nicht mehr frei äußern.
Ebenso hat der Verfügungswille des Staates zugenommen, zusammen mit einer medialen Selbstdarstellung, die den originären Willen der Bürger, speziell den oppositionellen Willen, schlicht für überflüssig erachtet und als nicht genehm ausgrenzt. Es ist nicht nur so, dass der Staat sich heute einen weltanschaulichen Auftrag zu eigen macht und dafür in das Leben der Bürger eingreifen, sie täglich erziehen will. Denken Sie an das unsägliche tägliche „Vielfalts“- und „Nachhaltigkeits“-Geschwätz, dem Sie heute ausgeliefert sind, wo man allen möglichen fremden Menschen selbstverständlich Identität und Zusammenhalt zubilligt, Ihnen als Einheimischem aber gerade nicht, denn alle neuen Rechte für Minderheiten können ja nur gewährt werden, indem man Ihnen die selbstverständliche kulturelle Vorherrschaft in Ihrer eigenen Heimat systematisch dekonstruiert und schließlich nimmt. Die neuen Götzen sind die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, mit denen unsere Eliten das Vakuum der nicht bewältigten und sperrigen deutschen Identität mit allen Mitteln zu füllen und diese Identität selbst regelrecht zu ersäufen suchen. Es wird Ihnen von den meisten Ihrer Volksvertreter und Regierenden nicht etwa das Versprechen gemacht, Ihre Anliegen und Ziele zu vertreten und mit den Anliegen ihrer Mitbürger demokratisch in Einklang zu bringen. Nein, es werden kühn internationale Vereinbarungen geschlossen, welche Sie als Bürger schließlich sklavisch wie den Sonnen-Dienst des (seinen Ägyptern am Ende bis zur Namenslöschung verhassten) Pharaos Echnaton mittels minutiöser Auflagen in all ihr Leben hinein minutiös zu exekutieren haben. Der Staat nimmt sich nun der vornehmen Aufgabe an, die Erde (seit Adam und Eva den Menschen als Lebensraum „untertan“ gedacht) vor uns Menschen, uns Bürgern zu schützen. Dazu wird uns als Rechtfertigung eine teilweise zur Lebensfeindlichkeit, zur Freiheitsfeindlichkeit sowieso, pervertierte Form der vermeintlichen Vernunftdenkens angeboten, die sich mit einem Rückfall in magische Vorstellungen mischt. Gefragt werden Sie dazu nicht, und der leider typische Deutsche fragt eigenartiger Weise nicht nach dem „Warum?“, sondern nach dem „Wie?“. Sie werden im Namen vermeintlicher höherer Vernunft unterworfen, die oft genug dem Humbug der Hexenjagden mehr ähnelt als irgendeinem wissenschaftlichen Seminar. Die Bürger funktionieren im Alltag selten als Idealisten: Es tun den Bürgern Dinge leider erst dann weh, wenn es (z.B. mit Wertverlusten des Autos, mit utopischen selbstfinanzierten Bauauflagen, mit nicht mehr nachvollziehbaren neuen Abgaben) ihnen an den Geldbeutel geht. Ich nenne Ihnen einige Alltagsbeobachtungen, die aus meiner Sicht ein Muster ergeben – das Muster eines politischen Elitenwahns, der aus eigenen „moralischen“ Ermächtigungen (überwiegend paradiesische Vorstellungen einer vermeintlichen „Weltrettung“, ich habe darüber an anderer Stelle schon gesprochen) leben will, und für den die Bürger dabei im besten Fall Statisten und Geldquelle sind. Es ist wie bei Orwells „Animal Farm“: Alle Tiere sind gleich, aber manche Tiere sind gleicher als andere. Sie sind gleicher, weil sie angeblich in Wirklichkeit das letztgültig Richtige und Gute wollen, das man der Demokratie heute vermeintlich nicht mehr zur Regulierung überlassen könne. Das Thema heute ist nicht sehr erbaulich.
Man fragt Sie nicht, ob die die missratene Energiewende wollen – nein, sie wird Ihnen schlicht diktiert, und Sie müssen sie bezahlen, angeblich ginge sonst die Welt unter. Anders wird heute gar nicht mehr argumentiert, wenn Dinge gegen Ihren Willen durchgesetzt werden sollen: Angeblich verletze Ihr Wille entweder das (bis heute, binnen 70 Jahren, niemals dem Volk zur Abstimmung vorgelegte) Grundgesetz, oder er führe direkt in den Weltuntergang, den Völkermord, das massenweise Ersaufen, oder sonst etwas definitiv Unerquickliches. Stets wäre angeblich der moralische Preis unerträglich hoch, so daß Ihr Staat, angeblich im Interesse der zivilisierten Weltgemeinschaft, Ihren Willen leider partout nicht berücksichtigen kann, und sich dann am besten noch im Ausland für die von Ihnen z. B. in Thüringen vorgelegten demokratischen Wahlergebnisse entschuldigt. Alle möglichen sogenannten „zivilgesellschaftlichen Gruppen“ oder „relevanten gesellschaftlichen Akteure“ spielen sich gegenseitig ihre Lobbyistenbälle zu, und gewählte Parlamente nehmen sich diese Gruppen als Alibi für den angeblichen Volkswillen in einer regelrechten Pseudodemokratie. Den schleichenden Verlust ihrer vitalen Freiheit nehmen die meisten Bürger hingegen achselzuckend hin, sie halten sich an die verordneten Meinungskorridore, beugen sich den täglichen Einschüchterungen gegen Andersdenkende, versuchen am Arbeitsplatz nicht aufzufallen. Derweil feiert sich die Kanzlerin bei Gipfeln und Staatsbesuchen und kauft sich vermeintliche Anerkennung für unser Steuergeld. Da heißt es dann, Deutschland habe ja nur 1% der Weltbevölkerung, stoße aber 2% der Schadstoffe, speziell des bösen CO2 aus. Dass aber Deutschland 6,4% (2017) aller Kosten für UN-Friedensmissionen zahlt (s. https://www.srf.ch/…/das-sind-die-groessten-geldgeber-der-w…), während z.B. Indien sich vornehm zurückhält und lieber eigene Atomwaffen- und Raumfahrtprogramme finanziert, das verschweigt Frau Merkel vornehm. Ebenso, dass CO2-Ausstoß entsteht, wenn man das schöne Steuergeld erwirtschaften muss, das sie so schön verteilt.
Für den 19. November 2019 kündigt das Landesamt für Verfassungsschutz eine öffentliche Podiumsdiskussion unter dem Titel „Zwischen Fake News und Hasskommentaren – welchen Schutz braucht unsere Verfassung zum 70. Geburtstag?“ an, wo von „Wut“ und „Radikalisierungsmaschinen“ die Rede sein soll und auch noch die Leiterin des Hauptstadtbüros des SPIEGEL zu Wort kommt. Ob auch über die Gründe für Wut gesprochen wird, und dass es deren objektive geben kann? Am 6. November 2019 melden sich die größten baden-württembergischen Zeitungen unisono mit einer identischen Titelseite zu Wort – es sei jetzt Zeit für guten Journalismus. Das meine ich übrigens auch, muss dann aber fragen – was haben die Herrschaften eigentlich die letzten vier Jahre getrieben? Was die Menschen wirklich in Rage bringt, der unsägliche Umgang der Volksvertreter mit ihren Anliegen, ihre komplette Entmündigung, schafft es erwartungsgemäß auf keine Jubiläumsagenda, wo das Establishment sich und seine angebliche Rechtschaffenheit selber feiern will. Wie die Wirklichkeit der Volksvertretung aussieht, war am Morgen des 6. November im Landtag sehr gut zu sehen: Der Antrag von Frau Dr. Baum für die AfD-Fraktion, bekräftigt noch durch einen gleichlautenden Antrag des fraktionslosen Abgeordneten Dr. Fiechtner, anlässlich eines jüngst stattgefundenen Mordes für die Opfer von Migrantengewalt eine Schweigeminute zu bewilligen, wurde von allen übrigen Fraktionen rundweg und ohne Aussprache pauschal abgelehnt. Der Antrag wurde natürlich vor dem Hintergrund des judenfeindlichen Anschlags von Halle eingebracht, wo die öffentliche Trauer des Parlaments als Staatsraison behandelt wurde. (Im Übrigen war die Leistung der Parlamentspräsidentin Aras wieder sehenswert: Meines Erachtens wird hier nicht einmal mehr der Anschein der Unparteilichkeit angestrebt und damit die Würde des Parlaments von den Regierungsfraktionen völlig in den Dreck gezogen.) Das Signal der Sitzung ist im Sinne dieses Textes folgendes: Es gibt bei uns eine Hierarchie von Opfern! Werden Angehörige religiöser oder ethnischer Minderheiten von Extremisten angegriffen, dann wird maximale staatliche und mediale Aufmerksamkeit gegeben, es ist Staatsthema. Werden Einheimische aus einer Minderheit heraus angegriffen – dann ist dies für 85% dieser Volksvertretung nicht einmal eine Minute Aufstehen für die Opfer wer, ein Staats-Nichtthema. Dies ist die Wertschätzung mit der Ihr Staat Sie behandelt, wenn Sie nicht einer der edleren Kategorien angehören, die in diesem Staat qua Existenz als institutionalisierte Daueropfer definiert werden. Wie man sein eigenes Volk derart verachten, ja hassen kann, ist mir unverständlich. Die Gewichtung zwischen Eliteninteresse und Volk wäre noch erträglich, wenn diese Eliten sich als Anwälte ihres Volkes im Innen wie Außen verstehen würden, als dessen organischen Teil. Das Gegenteil scheint mir jedoch der Fall, und in der Plenarsitzung des Landtags von Baden-Württemberg am 6. November haben sie es mit ihrem Abstimmverhalten in unfassbarer Gedankenlosigkeit und Kaltschnäuzigkeit wieder gezeigt. Es ist ihnen wichtiger, auf andersdenkende demokratische Landsleute loszugehen, als ermordete Landsleute zu ehren.
Wie Ihr Staat Sie achtet, das zeigt sich auch im Tode (und vom ungeborenen Leben will ich hier gar nicht erst reden). Wenn Sie ein Angehöriger der einheimischen Mehrheitsgesellschaft sind, dann stehen Ihnen auf dem Friedhof Ihrer Gemeinde, je nach deren Bereicherungswillen, 20 bis 25 Jahre Liegezeit zu. Danach zahlen Ihre Angehörigen entweder aus Pietätsgründen, oder weil sie an Ihnen gehangen haben, für eine längere Liegezeit entweder zu, oder Ihr Grab wird abgeräumt und neu vergeben. Ganz anders ist es, wenn sie Angehöriger bestimmter anderer monotheistischer Glaubensrichtungen sind – dann kommt dem Friedhof, auf dem Sie zu liegen geruhen, nämlich ein Ewigkeitsrecht zu, und niemand darf sich anmaßen, Ihre Totenruhe zu stören. Frage: Warum ist Ihr Körper in anderen Religionen heilig, Ihrer christlichen Religion (sofern Sie dieser anhängen) aber angeblich gleichgültig? Warum ist Ihre Totenruhe weniger wert als die eines Moslems oder Juden? Warum ist sie zweitklassig? Wissen Sie, das hätte mich einfach einmal interessiert. Wenn wir Ungleichbehandlung haben, bin ich auf die Begründung herausgehobener Heiligkeit gespannt. Wenn wir aber Gleichbehandlung haben, dann muss sie auch alle zufriedenstellen.
Das wiederum bringt mich auf die Personalie des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, wo Patienteneigenschaft und staatliches Verfügungsdenken thematisch zusammenlaufen. Im Sommer (vgl. SPIEGEL Online am 1.4.2019) setzte Minister Spahn die sogenannte Widerspruchslösung bei der Organspende durch. Spahn hatte ein Defizit bei Spenderorganen wahrgenommen und flugs alle volljährigen Bürger (im Falle eines Hirntodes; während Sie dies lesen, sind Sie noch sicher) zu potentiellen Organspendern gemacht, sofern diese sich nicht ausdrücklich wehrten. Der SPIEGEL schrieb damals zum Inhalt des Gesetzentwurfs: „Alle Personen ab 18 Jahren sollen ausführlich informiert und als Spender registriert werden, es sei denn, sie widersprechen. Der Widerspruch soll in einem bundesweiten Register dokumentiert werden. Den Eintrag können die Betroffenen jederzeit selbst erstellen, bearbeiten und auch löschen.“ Das ist doch interessant: Mein Staat, der mich nicht in die Welt gebracht hat, nimmt sich heraus, über meinen Körper nach Belieben zu verfügen und mich sozusagen in ein Ersatzteilregister aufzunehmen. Ich dachte nun, die Leibeigenschaft sei in den deutschen Staaten im Zuge der Befreiungskriege gegen Napoleon aufgehoben worden. Denn – wenn Sie sozusagen infolge Ihrer Staatsangehörigkeit schon jemand körperlich gehören, was für Rechte wollen Sie dann gegen ihn geltend machen? Ihre Stellung ist da doch schon von Anfang an mit Null klargestellt: Die Ziele Ihres Staates sind alles, Sie selber sind – verzeihen Sie das böse Wort - MENSCHENmaterial. Was hat Material an der Wahlurne noch zu sagen? Es darf seine Verfüger glorifizieren. Tut es das nicht und muckt auf, dann wird es von seinen Verfügern mit demonstrativem Liebesentzug bestraft: „nicht mehr mein Land“ (Merkel), „nicht die Eliten sind das Problem, sondern die Bevölkerung“ (Gauck). Spahn setzt in seinem gruselig-deutschen Verwerterpragmatismus auf die Trägheit der Bürger, Dinge erst zu regeln, wenn sie mit ihnen unmittelbar konfrontiert sind. Ihr Körper gehört nun quasi mit einem Federstrich dem Staat; auf irgendeine Widerspruchsmöglichkeit hat mich derselbe Staat übrigens bis heute nicht aktiv aufmerksam gemacht. Damit entfällt grundsätzlich die Freiwilligkeit und Noblesse einer Entscheidung für die Organspende (angeblich seien laut SPIEGEL 81% der deutschen „einer Organ- und Gewebespende positiv gegenüber eingestellt“, doch haben sich – das ist Fakt – eben doch nur 32% der Befragten einen Organspenderausweis ausfertigen lassen) und der Staat macht sich zu einem Menschenkörperverwerter. Wieder geht Ihr Staat her und maßt sich das Verfügungsrecht des Individuums selbst über seinen eigenen Körper selbstverständlich im Interesse eines vermeintlich übergeordneten abstrakten Gutes an. Der Mensch ist nichts mehr, der Zweck des Staates ist alles. Das glorioseste Opfer für diesen institutionalisierten, aber übergriffigen, laut zelebrierten Staatsaltruismus darf der Mensch dann mit seinem buchstäblichen Kadavergehorsam bringen. Die Ordnung wird von ihren Hohepriestern und Verfassungsrichtern täglich gefeiert und für ultrahuman erklärt – aber der Umgang mit dem Bürger, der keine Protektion und keinen Exotenbonus genießt, ist mit deutschem Ernst erbarmungslos.
Wie immer man zur Organspende steht, die – sofern entschieden freiwillig – eine gute Sache ist: Ich meine, hätte der NS-Staat eine derartige Verfügung getroffen, dann stünde diese heute noch als warnendes Beispiel für Menschenverachtung in unseren bundesdeutschen Geschichtsbüchern. Menschenverachtung gibt es in Bundesdeutschland freilich stets nur, wenn es Andere tun, aber nicht das per Eigendefinition beste Deutschland, das wir je hatten, und in dem manche von uns tatsächlich gut und gerne leben. In diesem Zusammenhang würde mich übrigens wieder eine Frage interessieren, die noch kein Journalist öffentlich gestellt hat. Wird dieser Staat auf die Körper unzeitig (durch Unfälle etc.) verstorbener Menschen jüdischen oder moslemischen Glaubens in derselben dreist-selbstverständlichen Weise zugreifen? Oder gibt es, da offenbar bei der Grablege für diese Menschen Sonderrechte gelten, eigentlich auch bei der zwangsweisen Organspende Sonderregelungen? Logisch wäre dies ja immerhin, wenn bei unseren Minderheiten und unserer hilfsbereiten Verwaltung die Religion ernster genommen wird, als das Christentum vieler Einheimischer. Die Christen hoffen ja immerhin auf eine Auferstehung – mit einem vollständigen Körper, hoffentlich, und wären an einem solchen interessiert. Das Thema klingt makaber, zugegeben, aber das muss man schon die Gretchenfrage an Herrn Spahn stellen: Wie hältst du es mit der Religion, insbesondere der Religion jener Minderheiten, die deutlich zimperlicher mit ihrem Körpermaterial sind als unsere Amtskirchen, die von Verkündigung nichts, aber von Klima und Fusion der monotheistischen Religionen alles erzählen wollen? Dazu haben wir von keiner der potentiell betroffenen Seiten bisher etwas gehört, so dass ich davon ausgehen muss, dass hier stillschweigend an der Öffentlichkeit vorbei Gespräche geführt und Einigungen gefunden wurden. Es ist ja immerhin z.B. auch so, dass in Deutschland zwar allgemeine Tierschutzgesetze gelten, aber eine von der der Mehrheits-Einheimischen völlig unterschiedliche Tierschutz-Realität zum Tragen kommt, sobald in einem Schlachthof in Deutschland nach religiösem Ritus geschlachtet (d.h. geschächtet) werden darf. Wer schon Tiere betreffend Regelungen getroffen hat - der wird vermutlich auch über verunfallte Menschen, deren Würde und den Umgang mit dieser geredet haben. Warum redet keiner öffentlich darüber? Es ist von Seiten unserer sonst in ihren Rechten so empfindlichen und lautstarken Minderheiten so auffallend still geblieben, dass man die Ohren spitzen sollte. Sind sie denn auch in der allgemeinen Bundesmaterialkartei?
Minister Spahn hat also einen gewaltigen Meilenstein gesetzt und eine Verfügung des Staates über das Fleisch des Bürgers verwirklicht. Auch den Geist hat man mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz gezüchtigt, wo nicht ins Private, an den heimischen Küchentisch verbannt (hoffentlich hören die Kinder nicht zu und verpetzen die Eltern in der Schule!). Jetzt nimmt man den Amok-Anschlag eines Einzeltäters in Halle zum Anlass, die Freiheiten der sozialen Medien noch weiter einzuschränken und möglichst viele Bürger zu entwaffnen. Ein Tell mit seiner Armbrust war zumindest ein hypothetischer Gefahrenfaktor für einen Jeden, der den öffentlichen Raum mit Gessler-Hüten pflastern wollte – und als der Landvogt dem Familienglück des Tell und der Freiheit der Bürger allzu nahetrat, wurde die Armbrust auch ein reales Werkzeug der Gegenwehr des freien Bürgers. Wer aber vor dem freien Bürger Angst haben muss, der kann a priori nichts Gutes für diesen Bürger im Schilde führen. Wer gemäß unserer demokratischen Verfassung die Interessen der Bürger vertritt, der braucht keinen Schützenverein zu fürchten – es sei denn, er hätte selbst ein sehr, sehr schlechtes Gewissen. Es ist schon ein Hohn: Was im Staatstheater und Deutschunterricht regelmäßig als Tugend gefeiert wird, ist heute dem Innenminister ein Fall für den Verfassungsschutz. Es ist Biedermeier mit zusätzlichen totalitären Elementen, was wir heute erleben, aber auch er wird enden, und die Sonne kommt wieder heraus.
Nun geht aber die Verfügung, verkörpert in Herrn Spahn, mit der gewohnten wurstigen Dreistigkeit weiter. Wenn wir – und ich unterstelle hier tatsächlich keinen Zufall – den Körper des Menschen verfügbar machen, dann ist uns doch sicher auch daran gelegen, die nötige Information zum intendierten Zweck verfügbar zu halten. Nicht wahr, Herr Spahn? Organe sind schließlich Frischware - in Japan (im Bevölkerungsdurchschnitt ein paar IQ-Punkte vor Deutschland) setzt man eher darauf, sie künstlich zu züchten und erspart sich elegant den unethischen Sumpf, in den Herr Spahn wohlgemut und forsch hineingetrampelt ist! Spahn will mit einem Gesetzespaket die Nutzung von Patientendaten umfassend erweitern und tritt den Datenschutz und die informationelle Selbstbestimmung der Bürger mit Füßen (s. https://www.tagesschau.de/…/spahn-digitale-versorgung-geset…). Schon im September 2019 kam heraus, dass hoch sensible Patientendaten samt Personeninformationen und Behandlungsdetails auf schlecht geschützten Servern, sogenannten PACS-Servern für bildgebende Diagnoseverfahren, gelagert wurden (s. https://www.tagesschau.de/…/br-rech…/patientendaten-101.html), während heute jeder Hasenzüchterverein mit DSGVO-Vorgaben administrativ gewürgt wird. Spahns „Digitale-Versorgung-Gesetz“ soll künftig die Daten (Alter, Wohnort, Behandlungen) von 73 Millionen gesetzlich Krankenversicherten ohne deren Einverständnis „für die Forschung“ verwendbar machen. Sie werden (mit dem Feigenblatt einer Pseudonymisierung, was immer die wert ist) gläserner Patient, wo sie sonst schon gläserner Bürger sind und selbst Kommunalverwaltungen sich nicht scheuen, mit Einwohneradressen zu handeln, oder ihre Kreditwürdigkeit ganz unverblümt aufgrund Ihrer Wohnadresse eingestuft wird. Sie sind offensichtlich eine Organmine (sofern Sie noch jung und kräftig sind), und sie sind eine Datenmine. Der Staat spannt die Krankenkassen als eine Datensammelkrake ein und geriert sich selbst als ein Datenunternehmer à la Google und Konsorten. Was damit für die Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsversorgung gewonnen werden soll, ist mir schleierhaft, da zu den wichtigsten Gesundheitsrisiken in Deutschland mit Sicherheit längst aussagekräftige epidemiologische Studien vorliegen. Was Behörden, die neben Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen als Nutznießer der Datensammlung genannt werden, mit solchen Mustern ernstlich anfangen sollten, weiss ich nicht – es ist in Deutschland mit seinen arbeitgeberfreundlichen Gesetzen doch nicht so, dass z.B. eine Gießerei oder ein Galvanikbetrieb oder eine starke Sendeanlage umgehend geschlossen würden, wenn die Ärzte vor Ort auffällige Häufungen ernster Erkrankungen feststellen. In dieser Hinsicht erwarte ich mir von der dreisten Datensammlung und neuen Einschränkung der Selbstbestimmung der Bürger wirklich nichts. Es sei denn, natürlich, man bringt den mit der Körperverwertung amtlich geschaffenen Bedarf an Organen mit einem Bild der potentiellen Lieferanten in einer Datenbank in Verbindung. Wir alle versuchen, unseren Alltag glücklich zu gestalten, unser persönliches Glücksstreben zu verwirklichen, Familien großzuziehen, in der Arbeit erfolgreich zu sein. Und doch scheint mir dies zeitweise wie ein naiver Eskapismus, angesichts einer Struktur, die neben uns gewachsen ist, die unsere Selbstbestimmung mit Füßen tritt und unseren Freiheitswillen verlacht, uns in immer neue Netze zu wickeln sucht. An pessimistischen Tagen scheint mir unsere Gegenwart in der Science Fiction der 1970er Jahre schon vorgedacht. Schauen Sie sich einmal wieder den US-Spielfilm „Soylent Green“ aus dem Jahr 1973 (dt. Titel. „…Jahr 2022 … die überleben wollen“) mit Charlton Heston an. Dann lesen Sie die Pamphlete der einschlägigen globalistischen Stiftungen.
Widerspruchsmöglichkeiten der versicherten Bürger sind in Spahns Entwurf übrigens nicht vorgesehen. Wie eigentlich bei allem, was seit Herbst 2015 in diesem Land von Staats wegen an Entscheidungen getroffen worden ist!
Ihr Emil Sänze









