Kommentar der Woche vom 07.12.209
Die neue Spitze der Bundes-SPD – und was sollen wir von ihr erwarten
Liebe Leser,
bei der SPD haben wir beim Mitgliederentscheid um den Parteivorsitz gerade das große Favoritensterben erlebt, verbunden mit einer Richtungsentscheidung zur Oppositionspartei. Es haben sich mit Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken Leute durchgesetzt, die man vom Alter her nicht mehr zum Mittelbau der Partei zählen kann, die bisher in der Bundespolitik bestenfalls die zweite Geige gespielt haben. Diese beiden Vorstände muss man zum linken Parteiflügel rechnen, im Grunde in geistiger Nähe zu dem Juso-Vorsitzenden Kühnert. Ihre Wahl muss man als ein Ergebnis des jahrelangen Haderns der SPD mit der vom seinerzeitigen Kanzler durchgesetzten Agenda 2020 (samt den notorischen Hartz IV-Reformen) werten, als eine innere Rebellion gegen etwas, was als Verrat an den eigenen Grundsätzen und an der eigenen ursprünglichen Industriearbeiterklientel verstanden wurde. Wir haben das Bild Schröders mit seinen Brioni-Anzügen und seinen Zigarren noch im Kopf, der am Ende (2005) den Bettel hinwarf und bald mit lukrativer Nähe zum russischen Gasgeschäft Schlagzeilen machte. Was kann das nun bedeuten? In jedem Fall scheint sich die SPD in sich selbst zurückzuziehen und ihre innere Linie finden zu wollen, wenn sie kein bundespolitisch aktives Personal mehr in die erste Reihe schickt. Das Entscheid-Ergebnis (wenn auch mit 53% recht knapp) ist eine Abwendung von der eigenen Mannschaft innerhalb der wenig erfolgreichen Großen Koalition, die sich mit dem Verbot von Plastiktüten und immer neuen Klima-Bekenntnisschwüren aufhält, also mit gesinnungsethisch-weltanschaulichen Zielsetzungen, und an der der Verfall der deutschen Wettbewerbsfähigkeit völlig vorbeizugehen scheint: Eine sehr starke Minderheit von Pragmatikern hat den Kürzeren gegenüber „schönen Gefühlen“ gezogen. So hören wir Ende November, dass Bosch in Wuxi (China) den „Grundstein für ein Brennstoffzellen-Zentrum“ legt: Die Chinesen brauchen über die Zeiten, in denen sie auf deutschen Kfz-Messen mit Kamera und Notizblock unter LKW-Kotflügeln liegen mussten, heute nur zu lachen. Wir liefern ihnen aus kurzsichtigem Gewinnstreben und offensichtlich ohne eigene nationale Entwicklungsstrategie unsere Erkenntnisse in ihre skrupellose kommunistische Diktatur frei Haus, während die deutschen Kfz-Konzerne jeweils bereits fünfstelligen Personalabbau ankündigen. So werden die Chinesen ihr nationales Ziel erreichen, bis 2025 in allen Technologiefeldern weltweit an der Spitze zu stehen, und sei es, dass man schlicht Firmen in Europa kauft. Wir hingegen haben die reale Chance zu erleben, dass in unserem Land nicht einmal mehr ein Kochtopf hergestellt wird. Das Bruttoinlandsprodukt wird dafür mit Dienstleistungen gemacht, am Tropf des Staates, und mit immer neuer importierter Klientel, von deren Versorgung ein ganzer Wirtschaftssektor zu leben versucht, der seine Existenz mit Gesinnungsethik und nichts als Gesinnungsethik begründet.
Wir haben heute bei den Steuern eine ganz überproportionale Belastung des Faktors Arbeit, also der Lohnsteuer, so dass gerade die Produkte herstellenden, potentiell innovativen Arbeitsplätze belastet werden und die Mittelschicht weiter unter Druck gesetzt wird. Alle großen Parteien sitzen in diesem Zug der bedenkenlosen, grenzenlos naiven Internationalisierung, und wir machen genau denselben Fehler, den Großbritannien schon vor 20 Jahren machte – die Konzentration auf Bankgeschäfte und die bedenkenlose Auslagerung „schmutziger“ Produktion zur „Werkbank der Welt“, anstatt die eigenen Standorte zu modernisieren. Wenn unser Land von der Bankenkrise 2008 weniger hart getroffen wurde als andere europäische Länder, dann war dies damals unserer Produktionsbasis zu verdanken: Wir konnten Anderen Investitionsgüter und Konsumgüter verkaufen. Jetzt lässt man nicht nur anderswo herstellen, sondern verlagert auch die Forschung gleich mit, womit das Know How abgezogen und anderswo aufgebaut wird. Bei uns wird ein Klima geschürt, das Industrie selbst als amoralisch brandmarken will und eine Art nationalen Klima-Themenpark voller Windräder, Auerhähne und Einhörner bezweckt, wo keiner mehr arbeiten muss und sich alle an ihrer Humanität berauschen. In Deutschland findet, gerade wo wir ein „Klimakabinett“ haben und gar der WBGU zu einem „nationalen Klimarat“ aufgeblasen werden soll, jegliches Regierungshandeln nur noch unter einer Zielsetzung statt: In Deutschland arbeitet alles an der Apotheose der Klimakanzlerin und an der rabiat gesinnungsethischen Weltrettung.
In dieser Situation entdeckt die SPD ihr soziales Gewissen und ihre Klientel, die „Unterdrückten dieser Erde“ wieder – und findet bei der klassischen Industrie-Facharbeiterschaft eigentlich wenig Gegenliebe. Dieser geht es, wenn sie Glück hat, noch relativ gut, und sie will ihren Wohlstand mit gesunden Zielsetzungen erhalten. Wer aber aus dieser Schicht fällt, und Arbeitslosigkeit ertragen muss, der wendet sich von den weltanschaulichen Abenteurern, denen er seine Misere verdankt, enttäuscht ab und sucht seine politische Heimat vielleicht bei uns. Bei der einheimischen Facharbeiterschaft kann die SPD wenig gewinnen, weil diese eher das Bedürfnis zeigt, sich durch persönliche Ambition in ihrer Lebensstellung zu verbessern (z.B. ihre Kinder zum Studium zu schicken), nicht aber, sich als ohnmächtige Klientel zu verstehen. Die zunehmend formelhaften, proletenhaft-dumpfen Töne heutiger Gewerkschaften sind mir da im Ohr, denn unter den falschen Zielsetzungen erlebt auch die Arbeiterbewegung einen unbestreitbaren Brain Drain. Das Ergebnis muss man unvermeidlich eine linke Radikalisierung der SPD nennen, wie sie sich jetzt auch in der Vorstandswahl zeigt. (Der Hinauswurf von Dr. Sarrazin war ein Menetekel, welcher intellektuelle Verlust mit dieser Konzentration auf die unterprivilegierten Zielgruppen und ideologischen Phantasten einhergehen wird!). Walter-Borjans und Esken sind ausgeprägte Parteilinke. Es wird eine Parteilinie gefahren werden, die sich ebenso unvermeidlich auf die Bedürfnisse von Sozialklientel und von (oft muslimischen) Zuwanderern, die in der SPD klassisch als Underdog-Modell definiert werden, zu denen unsere Gesellschaft strukturell ungerecht sei. Es ist folglich eine reaktive Zielsetzung, keine gestaltende: Es wird eine „strukturelle Ungerechtigkeit“ der Gesellschaft postuliert, auf die mit Maßregelungen und mit Umverteilung zu antworten sei. Ungleichheit sei Ungerechtigkeit: Nivellierung soll die „Ungerechtigkeit“ beheben, und dabei ist jedem Drittklässler klar, dass es eine Nivellierung immer nur von oben in Richtung Unten geben kann. Die SPD wird das, was sie als „Gerechtigkeit“ verkauft, wird ihr neues proletarisches Image nur mit einem gegen Interessen der Wirtschaft gerichteten Umverteilungsversprechen umsetzen können. Sie sind in dem Dilemma, dass sie in einer – auch von der amtierenden Regierung – völlig absichtlich globalisierten Wirtschaft nicht die Hebel in der Hand haben, sondern nur mehr Fäuste schüttelnd oder Trillerpfeifen blasend wenig intelligente Forderungen stellen können, während noch ärmere und noch hungrigere Menschen in anderen Teilen der Welt als Rammbock gegen ihre letzten europäischen sozialen Absicherungs-Besitzstände gehetzt werden. Das unterschiedslose Solidaritätsversprechen der SPD steht heute strukturell auf verlorenem Posten. Dass wir als AfD es aufgenommen und mit der von der SPD phobisch abgelehnten Idee der Nation verbunden haben, erklärt den geradezu intimen Hass der SPD gegen uns.
Walter-Borjans fiel im Jahre 2011 (?) als derjenige NRW-Finanzminister auf, der sich für den Ankauf mutmaßlich illegal erhaltener CDs mit Steuerdaten aus der Schweiz (d.h. Bruch des seinerzeit gültigen dortigen Bankgeheimnisses) feiern ließ und den Erwerb dieser Hehlerware dann noch hartnäckig öffentlich verteidigte. Bargeldloser Zahlungsverkehr und „manipulationsresistente“ Registrierkassen sind sein Ding. Er war es, der (2012) im Bundesrat ein deutsch-schweizerisches Abkommen über die pauschale Nachversteuerung von in der Schweiz verstecktem deutschem Vermögen platzen ließ und dabei öffentlich argumentierte, nur die Angst vor Entdeckung bringe Steuervermeider zur Raison bzw. zur Selbstanzeige – wiewohl der damalige Finanzminister Schäuble angab, in 95% der Fälle sei die pauschale Nachversteuerung sogar höher als die Regelversteuerung. Es ging damals also weniger um den objektiven Nutzen, als vielmehr um die Schau des allmächtigen Staates, der (durch Nivellierung im Zwang) vermeintlich Steuergerechtigkeit schafft. Im Jahre 2011 kippte der Verfassungsgerichtshof für NRW den Haushalt des Finanzministers Walter-Borjans (unter Ministerpräsidentin Hannelore Krafft, SPD) zum dritten Mal in Folge als verfassungswidrig, da die Neuverschuldung die Investitionen überstieg - die F.A.Z. berichtete unter dem Titel „Der höchst gewagte Haushaltslimbo“. Es ist damit die grundsätzliche Linie vorgegeben: 1. Man ist bereit, im staatlichen Interesse über die Grenzen des Rechtsstaates hinauszugehen und macht dafür einen höheren Gerechtigkeitsanspruch geltend, nämlich die Geschieht-ihm-Recht-Schadenfreude Derjenigen, die (als lohnabhängig Beschäftigte) zur Steuervermeidung keine Chance haben. 2. Was der Fiskus überhaupt für sein Geld leistet, ist zu fragen unantastbar! Der Anspruch des Staates auf die Steuerleistung des Individuums wird nicht reflektiert, sondern blind von „Steuersündern“ gesprochen, so als sei der Staat der allmächtige Gott, der sich für seine Vorhaben vor niemandem rechtfertige. Ich habe keinen Zweifel daran, dass Steuergesetze befolgt werden müssen, doch erinnern Sie sich bitte an die Macht-Shows, welche deutsche Behörden gegenüber z.B. einem Uli Hoeneß, einem Reinhold („Schrauben“) Würth oder einem Friedrich Gurlitt veranstaltet haben. Als Gerechtigkeit gilt hier, dass gegen Alle derselbe Zwang ausgeübt wird – WOFÜR er grundsätzlich ausgeübt wird, bleibt außerhalb der Gerechtigkeitsdiskussion à la SPD. Das ist eigentlich eine primitive Vergottung eines Staates, der sich grundsätzlich nicht rechtfertigt, und zu dem im Verständnis der SPD sozusagen die Schwachen der Gesellschaft flehen, damit es anderen nicht besser ginge als ihnen, sondern diese ihnen Privilegien (ungeachtet deren Ursprung) abgeben müssten. Entweder wurden Menschen publikumswirksam kriminalisiert, die in ihrem Leben vermutlich mehr an Steuern gezahlt haben, als jeglicher Herr Walter-Borjans, und deren gesellschaftliche Verdienste an z.B. Mäzenatentum plötzlich nichts mehr galten. Um nochmals klar zu stellen: Ich rede keiner Steuerhinterziehung das Wort. Wenn aber Steuern zu hinterziehen bei vielen Bürgern als gerechtfertigt gilt, und sie sich keiner moralischen Schuld bewußt scheinen, umgekehrt der Staat das Recht befreundeter Länder bricht, dann sollte sich dieser Staat schon fragen, durch welches objektive Verhalten er sich die Solidarität besitzender Bürger entfremdet hat. Oder – im Fall Gurlitt - wurde ein Mensch pauschal als angeblicher Besitzer von NS-Raubkunst durch die sehr willigen Medien gezerrt, um jedes Mitleid zu unterdrücken, und dann noch der schändliche Versuch unternommen, ihn für unzurechnungsfähig zu erklären, um endlich staatlicherseits an die ersehnten Kunstwerte zu gelangen. Wir haben stets eine staatliche Machtdemonstration erlebt, wo es um Vermögenswerte ging, zu denen der Staat nichts beigetragen hat, wo er sich aber stets gegenüber der Öffentlichkeit als ein in der Moralität seines Handelns (z.B. seiner Ausgaben) für seine Bürger nicht zu hinterfragender, angeblicher Durchführer von Gerechtigkeit aufgespielt hat. Gesetze sind das, was ein Parlament zum Gesetz macht: Ein so gestrickter (s. Gurlitt) Staat ist für mich, Pardon, aber eben kein Robin Hood der Schwachen, sondern ein Gesinnungsdespot orientalischen Zuschnitts - Bürokratien erweisen ihre Glorie ja stets dadurch, dass sie auf die Situation einzelner Menschen nicht eingehen, sondern im Interesse ihrer Macht ständig Exempel an Denjenigen statuieren, die aus irgendeinem Grund hervorstechen. Stets wurde hier Neid gegen angebliche Verbrecher geschürt und diese rituell im großen Spektakel angeblicher Gerechtigkeit zur Verantwortung gezogen, zur öffentlichen Buße gezwungen, auf die Häme der Öffentlichkeit gesetzt. Die Hölle wird (figürlich gesprochen) nicht dadurch erzeugt, dass etwa die Autorität des Teufels in Frage gestellt wird. Die Hölle wird dadurch erzeugt, dass der Teufel Diejenigen, denen es dreckig geht, auf Diejenigen zu hetzen vermag, die im Dreck – der vor allem für alle gleich „gerecht“ zu sein hat! – vermeintlich oder wirklich ungerechtfertigte Privilegien genießen. So bestrafen die Schwächeren noch die Stärkeren unter den Schwachen selbst ganz aus eigener Initiative, weil sie es für Gerechtigkeit halten, wenn es allen gleich dreckig geht. Wozu es (figürlich gesprochen) Satan und die Hölle gibt, fragt da schon keiner mehr! So ist es auch mit dem Anspruch des Staates: Wozu (sprich: für welchen Blödsinn) er die Menschen finanziell belastet, ist öffentlich sakrosankt und darf in unserem Land nicht legitim hinterfragt werden. Entsprechend wird die große Sünder-Bestrafungsshow gegen Diejenigen veranstaltet, die es aufgrund irgendeiner herausgehobenen Stellung wagen, dem allgemeinen Kosten-der-Ideologie-Steuerdienst entgehen zu wollen. WIE aber die Einkommen erwirtschaftet werden, die man besteuern kann, das interessiert in diesem geradezu religiös aufgezogenen Szenario von zu rigoroser Machtausübung geronnener angeblicher absoluter Moral eben NICHT. Diese Einkommen überhaupt zu haben, wird schon zur grundsätzlichen Unmoral erklärt: Es soll aus einem gesellschaftlichen Feind-Typus herausgepresst werden (dem Unternehmer, dem Finanzhai usw.), der mit aller sozialistischen Hingabe bekämpft wird, als könne er sich von selbst erneuern und sein Kapital morgen einfach wieder auferstehen. Geschädigt werden mit diesem Kampf aber zuvorderst die realen bodenständigen (Industrie)Arbeitsplätze, die schlicht davon abhängen, dass eine mehr oder weniger egoistisch-rücksichtslose Struktur aus ihrem Kapital noch mehr Kapital machen will und dabei, die muss man konstatieren, Gesetze und Anstand auch einmal hart anrempelt. Wer sich aber in seinem gestaltenden Tun nicht gut fühlen darf, sondern sich als ständiges Objekt staatlicher Machtdemonstration latent am Pranger fühlen soll, der tut sein Ding woanders. Das ist strukturell und im übertragenen Sinne mit dem ewigen Kampf der Sozialdemokratie gegen „den Nazi“ zu vergleichen, der angeblich in Deutschland in jedem zornigen Facebook-Eintrag steckt, der aber real in homöopathischen Dosen existiert und die letztgültige Herrschaft der Humanität verhindert. Jede Politik, die sich an rituellen Feindbildern orientiert und so Probleme der Wirklichkeit lösen will, wird scheitern. In dieser Hinsicht ist die neu gewählte SPD-Spitze ein Dinosaurier schlichten Gemüts, der die Schlachten der Vergangenheit mit völlig ungeeigneten Mitteln schlagen will, weil er die Zielsetzungen der modernen Welt nicht mitbekommen hat. Chancen und Gerechtigkeit lassen sich nicht befehlen, und sie lassen sich nicht disziplinieren, indem man die Suche nach herausgehobenen Chancen als angeblich ungerechtfertigte Privilegierung anprangert. Es ist nicht die große staatliche Keule, die hilft, vielmehr muss Wohlstand (Arbeitsplätze) durch technologieoffene Innovation bewahrt werden. Die Gerechtigkeit ist derjenige Wohlstand, der von den Eliten der Gesellschaft durch ihre Investitionen in unser Land, und auch durch ihren Konsum und Lebensstandard, durch die Schichten der Gesellschaft dringen und Jedem seine Bedürfnisse zu decken ermöglichen muss. Ohne die Möglichkeit, sich auszuzeichnen und sich zu zelebrieren, läuft keine Initiative. GERECHT ist eine Gesellschaft nicht, wenn alle das Gleiche (gleich wenig) haben; gerecht ist sie dann, wenn sie sozial durchlässig ist und einem jeden nach seiner Begabung und seinem Fleiß ermöglicht, sich den richtigen Platz zu suchen. Es ist bei dem Thema „Staat und Quellen des Wohlstandes“ übrigens Eines schade: Das Buch des Journalisten Meinrad Heck „Der Flowtex-Skandal“ (Fischer Taschenbuch 2006, ISBN 978-3-596-17080-7) ist seit Jahren nicht mehr neu zu bekommen, auch nicht für Staatsfetischisten.
Was ich sagen will: Die große Staatliche Glorien-Show, die „Sünder“ öffentlich demütigt und geradezu religiöse Exempel setzt, stets unter der falschen Behauptung, der Staat sei der Schützer der Schwachen, wird uns noch reichlich beschäftigen, sollte die SPD unter der Federführung eines Herrn Walter-Borjahns je in Regierungsverantwortung kommen. Praktisch werden wir wahrscheinlich die Rekrutierung von noch mehr muslimischen Migranten in die SPD erleben, ebenso von radikalisierten linken Jugendlichen, da ein bodenständiges, sozial nach dem (unteren) Bürgertum strebendes, am Eigentumserwerb und an sozialen Chancen für den Nachwuchs orientiertes Arbeiterelement nicht mehr vertreten ist – und die SPD quasi einen „Stellenplan“ für Underdog-Gruppen propagiert, der auch gefüllt werden wird. Die linke Jugend sieht hingegen den Weg für ihre Utopien frei, da die bürgerliche Perspektive der Partei völlig entfremdet ist und sozusagen die letzten Rentner in der SPD die Welt nicht mehr verstehen und schweigen. Ich greife hier den Entwicklungen vor: Seit 2005 regiert die SPD im Bund und hat ihr Erste-Reihe-Personal inzwischen restlos verbrannt, indem die Merkel’sche CDU ihr sogar noch ihre Utopien gestohlen hat.
Walter-Borjans und Esken stellen für eine Fortsetzung der Großen Koalition Bedingungen (Revision der Hartz-Gesetze, höherer Mindestlohn, Verzicht auf schwarze Null-Haushalt, mehr „Klimaschutz“), gegen die sich ihr Partner CDU bereits warnend verwahrt hat. Es steht die reale Möglichkeit im Raum, dass die SPD schmollend in die Opposition abtaucht und damit zugunsten ihres eigenen „gerechten“ Selbstbildes aus einer Regierungsverantwortung flieht, die sie 14 Jahre lang tragen wollte, und in der sie viel dazu beigetragen hat, unser Land geistig unfreier zu machen und ein Klima der massiven Einschüchterung gegen Freidenker zu schaffen. Ihr Personal im derzeitigen Kabinett Merkel ist aus meiner Sicht bereits heute bestenfalls zweitklassig - und für verantwortliche Regierungsarbeit keine Bereicherung. Wenn diese Koalition bricht (und die SPD zeigt mit ihrem Mitgliederentscheid den Willen dazu), dann scheidet die SPD für Jahre aus. Es werden die Grünen ihre Rolle zu füllen suchen, wie in Baden-Württemberg vorexerziert, wobei die CDU willentlich blind gegen einen gefährlichen, berufsmäßig Märchen erzählenden Ideologen Robert Habeck ist, der in typischem Orwell-Neusprech Verbote (!) als Gewährleistung der Freiheit (!) bezeichnet. Der Machterhalt des CDU-Matriarchats wird allem CDU-Aufbegehren mitsamt ideellen Bedenken rigoros den Mund stopfen, wie das Scheitern des Friedrich Merz jüngst bestätigt hat: Auch die CDU muss ihren Weg zu Ende gehen. Es wird alles unternommen werden, um die Grünen als eine vermeintlich bürgerliche Kraft schmackhaft zu machen, wiewohl von dieser Partei vor allem die Staatsbediensteten und Sozialdienstleister unter den Bürgern profitieren, die produktive Basis des Landes – abgesehen von hoch subventionierter Windkraft etc. – natürlich nicht. Letztere wird weiter im Klimawahn erodiert. Die FDP wird sich als Mehrheitsbeschaffer andienen und sich rituell spröde geben, bis sie schamlos fällt. Die Linke wird rituell ausgegrenzt werden, um die bürgerlichen Schein von Grün-Schwarz zu wahren – ebenso wie die verdammte AfD, gegen welche sich alle selbsternannten „Demokraten“ wie gegen den Leibhaftigen verwahren. Denn wir stellen den Anspruch der politischen Klasse in Frage, den Wählerwillen durch ihr eigenes Prisma zu brechen. Die SPD hingegen hat vor, aus der Verantwortung für auch ihre Fehlleistungen auszuscheiden und bringt das Sozialparadies für Träumer aufs Tapet: Das nennen sie dann „Leidenschaft“ (Zitat Malu Dreyer). Den Dreck dürfen am Ende Andere richten. Die Verantwortung der SPD besteht dabei im Ermöglichen linken bleiernen Gesinnungszwangs, auch in der schmollenden Opposition, bis die wirtschaftlichen Realitäten dieses Land vom Kopf wieder auf die Beine stellen werden.
Ihr Emil Sänze









