Deutschland und seine Angst vor der nationalen Souveränität
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Liebe Leser,
Heute erlaube ich mir mehr als acht volle Seiten über eine Sache, die uns angeblich nichts angeht. Bitte sehen Sie mir die Länge nach; das Thema ist ein grundlegendes: Seit dem 8. Mai 1945 sei die Bundesrepublik Deutschland „zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen“, so der damalige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf dem 21. Europäischen Bankenkongress 2011 „The Big Shift“ in Frankfurt am Main. Er dachte in überstaatlichen Ordnungsräumen und hielt sich damit für modern. Die Globalisierung sei, richtig verstanden und richtig gemacht, ein Wohlstandsprojekt, sie Aufteilung von Wachstum schaffe Stabilität und bewahre die Legitimation marktwirtschaftlicher und demokratischer Ordnung. Finanzmärkte gehörten wieder mittels Regulierung in gesellschaftliche Verantwortung gebracht. Schäuble denkt in Maßstäben der Eurozone und der G20 und will verbliebene nationale Spielräume nutzen, um Vorbilder für kollektive Regelungen zu schaffen. Man habe die Währung vergemeinschaftet, ohne die Finanzpolitik vergemeinschaftet zu haben – sie bleibe in der Zuständigkeit der nationalen Budgets und Parlamente. Aus dem Projekt der gemeinsamen Währung entwickelt er das Projekt der gemeinsamen, übernationalen Politik – was er für einen modernen Entwurf ansieht. Das Regelungsmonopol des Nationalstaats war für ihn „die alte Ordnung, die dem Völkerrecht noch zugrunde liegt“. Oha! Der Begriff der Souveränität sei in Europa längst ad absurdum geführt (s. https://jungefreiheit.de/.../schaeuble-wir-waren-nie.../; https://www.youtube.com/watch?v=uRFUH8olI5Y). Die Frage, die sich notwendig ergibt, ist – wenn in nominell demokratisch verfassten Staaten nicht die Völker durch ihre Nationalstaaten souveräne Entscheidungen treffen, wer trifft sie dann? Die Antwort lautet jedenfalls: Andere. In Schäubles Fall offenbar Eliten, die aus faktischer Machtfülle heraus souveräne Entscheidungen treffen. Souveränität bedeutet schließlich, dass man niemanden um Erlaubnis fragen muss. Dass die Bundesrepublik Deutschland zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen sei, konstatiert Schäuble ohne Bekümmernis. Das Ziel stehe ja schon in der Präambel des Grundgesetzes von 1949, „als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen.“
Bei dieser Selbstverständlichkeit, mit der hier von einem deutschen, diese Republik prägenden Spitzenpolitiker ein Grundpfeiler meines Staatsverständnisses ganz beiläufig als vermeintlich irrelevant abgetan wird, stockt mir der Atem. Art. 20/2 GG konstituiert die Volkssouveränität: „Alle Staatsgewalt gehrt vom Volke aus. (…).“ Er bürstet alle mir vertrauten Interpretationen des Grundgesetzes radikal gegen den Strich. Die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung, letztendlich die Freiheit, wir brauchen sie nicht mehr. Schäuble lebt in einem anderen Kosmos, er saugt seine Legitimität aus einer schrägen Interpretation der goodwill-Präambel und ignoriert Art. 20/2. Er hält sich für den Macher der zukünftigen Welt, für einen „Europäer“ unter seinesgleichen, dem ein Volk so gut (oder bedeutungslos) ist wie das andere. Und diese Völker sollen dann unter „governance“ leben, die per se keine Demokratie mehr sein kann. Denn Herrschaft wird hier von einer in die Präambel schräg hinein gelesenen vermeintlichen weltanschaulichen Universalermächtigung aus konstruiert - nicht aus der Entscheidungsfreiheit des Staatsvolkes. Souverän lässt sich da allenfalls ein Europa als Ganzes denken, freilich hat die EU viele Völker, aber kein EU-Staatsvolk, kein EU-Demos – womit die Volkssouveränität per se entfällt und durch eine selbstherrliche, dem von ihr geschaffenen Gebilde allein verantwortliche Technokratenkaste ersetzt wird. Frage: Wem ist Schäuble verantwortlich? Der Rückbezug zu den Bedürfnissen der eigenen Nation fehlt ihm und seinesgleichen völlig, und man ist darauf noch stolz. Wurden wir gefragt? Nein: Ideologische Zielbindung ersetzt Bürgerwillen. Das EU-Gebilde will sich als Herrschaft eine Bevölkerung erst konstituieren. Wenn ein historisch-politisch formiertes Volk da ist, hat es nach Schäubles Lesart zu wollen, was man ihm vorschreibt… und das ist so „undeutsch“ nicht!
Es scheint über die letzten drei Jahrhunderte betrachtet im kollektiven Charakter der Deutschen zwei Tendenzen zu geben. Die eine ist ein ausgeprägtes Auftrumpfen, eine Großmannssucht, regulieren und belehren zu wollen. Dieser Zustand tritt ein, wenn man aus einem latenten Ohnmachtsgefühl impulshaft und überschwänglich ausbricht, das ich beschreiben werde – die Frage freilich ist, in welchem Maße das Ohnmachtsgefühl durch Konditionierung selbst verursacht ist, so dass die Beseitigung der Ohnmacht in vernünftigen Bahnen bereits als HORRORvorstellung empfunden wird. Ob nun zu Kaisers Zeiten „die Welt am deutschen Wesen genesen“ sollte, ob Hitler in krasser Selbstüberschätzung die Hegemonialmacht auf dem Kontinent wollte, die Simpsons von hypermoralisierenden rechthaberischen deutschen Rucksackstudenten (s. https://www.youtube.com/watch?v=z9_mUjkITJg) genervt werden, es keine noch so banale Sendung mehr ohne Klimawandel-Belehrung und Vielfalts-negride Protagonisten mehr gibt (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Negride- Vorsicht, Rassemerkmale sind jetzt verboten; alles ist eins und alles ist irgendwie gar nichts außer aufdringlicher Belehrung und deutschpenetrantem Sendungsbewußtsein). Ob die Klimakinder keinen Streuobstbaum kennen aber uns alle mit ihrem Nachhaltigkeits-Globalgewäsch auf die Nerven gehen und zu Flut-Zeiten Klimastreiks veranstalten, ob mit aller schikanösen Brutalität gegen die eigenen Mitbürger eine wahnwitzige und sadistische Covid-Politik erzwungen werden soll – all dies ist derselbe verkniffenmundige, fanatisch-freudlose Bekehrungswahn, der uns sagen will, dass das Leben keinen Spaß machen dürfe, wenn der Deutsche selbst an seiner Existenz keinen Spaß hat, sich das aber fanatisch einredet.
Der Deutsche denkt kollektiv und egalitär; alle sollen in der vermeintlich endgültigen Universal-Mission der letztgültigen, von Deutschen gefundenen Wahrheit gleich leiden. Sie sollen ständig reflektieren und nachbeten, warum das freudlose Leben so freudig sei. Die Deutschen, sagte der italienische Außenminister und Schwiegersohn Mussolinis, Graf Ciano, einmal, „lieben den totalen Krieg“– und es ist was dran, während aus deutscher Sicht die Italiener den Krieg eher als Operette ansehen. Die Bereitschaft zum ernsten Fanatismus ist ungeheuer. Der Krieg wird zur Not gegen das eigene Fleisch, gegen die eigene Nation geführt, wenn man sich damit nur einer Sache hingeben kann, die vermeintlich die letzte Gewissheit bringt und die letzte Unsicherheit klärt. Andere sagen: Deutsch sei, eine Sache UM IHRER SELBST WILLEN ZU TUN – und auch da ist etwas dran. Die vermeintliche WAHRHEIT vom Dienst führt dann stets dazu, dass alle anderen Wahrheiten ausgerottet werden sollen, als wolle man am neuen Ideologieufer die Schiffe hinter sich verbrennen, alle anderen Augen am Baum des Lebens ausbrechen, um keine Zweifel mehr zuzulassen. Der Deutsche will Gewissheit, will die Abwesenheit von Unsicherheit, will bombensichere Orientierung im Leben, will einfache Ideen: Auch wenn es ihn die Zukunft kostet. Der Deutsche verlässt sich nicht auf sich und sein Urteilsvermögen – der Deutsche will tun, was ihm gesagt wird. Kollektivismus und Leistung werden wichtiger als deren Zweck, die sich kopfschüttelnd entfernende Zukunft. Er hält den Verzicht auf selbständiges Denken (und damit auf Alternativen) für eine stolze Willensanstrengung und schon für ein gesellschaftliches Verdienst. Man soll ihm sagen, was Sache ist. Er fühlt sich stark und gewiss, wenn er im Einklang mit der Macht steht, die ihm Gewissheiten eintrichtert. Er will im Kollektiv wie ein Körper funktionieren - der Impffanatismus und die von einer Mehrheit mit getragenen Impfschikanen gegen die Zweifler, die Masken-Gesslerhüte zeigen es. Er liebt darum den Zweifel, die Vielfalt der Möglichkeiten nicht. Zugleich leidet er damit unter sich selbst, und er trumpft auf gegen andere, sobald er sich einmal stark genug fühlt und eine Gewißheit fest zu besitzen glaubt: Er will sich damit selbst zeigen, er sei auf dem richtigen Weg.
Die vermeintliche Gewißheit wird dann mit allem Fanatismus systematisiert, wird Bürokraten anvertraut, bis perfekte Freudlosigkeit und perfekter Schrecken erzeugt sind. Und dennoch wird nicht umgedacht, es sei denn eine perfekte Niederlage zwingt PHYSISCH dazu, sondern ein vermeintlicher „Endsieg“ soll erzwungen werden, zur Not gegen jede Wirklichkeit und unter Verfolgung aller Skeptiker und Andersdenkenden. Wenn die Machthaber in ihrem Grimm nichts mehr zu lachen haben, dann soll auch kein anderer etwas zu lachen haben: Wir erleben es heute wieder. Ebenso wie der Deutsche Angst vor der Inflation hat, als dem Verlust seiner (materiellen) Existenzsicherheit, so hat er Angst vor der Leere – hat den horror vacui. Die Suche nach Sinn wird durch Blödsinn gefüllt, wenn er sich anbietet. Grundfragen werden nicht gestellt, lieber wird eine Pause mit blödsinnigem leerem Rauschen gefüllt, nur um irgendeine noch so banale Struktur zu schaffen, die den Sinn-Abgrund überbrückt. Lieber tut eine Staatsmacht den widersinnigsten und freiheitsfeindlichsten Blödsinn, als dass sie ihren Bürgern – und fast hätte ich Untertanen geschrieben – jemals Zeit lässt, selber zu denken und selber initiativ zu werden. Im Gegenteil, der Konformitätsdruck des Blödsinns dringt inzwischen völlig unbekümmert in die elementare Privatsphäre der Bürger ein und macht nicht vor unziemlichem Interesse für die Kinder-Körper und (mit seinen Teststäbchen) die Körperöffnungen der Landsleute halt – die wilden Ansinnen in der Covid-Impf- und Testpolitik zeigen es. Es ist im Deutschen eine Neigung, im eigenen unglücklichen Leiden an den selbstverordneten Idiotien die eigenen Landsleute zu überwachen und zu quälen. Keiner darf raus: Wer anders denkt, soll nichts mehr zu lachen haben, das erleben wir ja gerade. In dem Moment, wo der Deutsche von seinen eigenen Träumen und Sehnsüchten abgeschnitten wird, wo er diese Sehnsüchte angesichts der vermeintliche so unwiderlegbar „vernünftigen“ (d.h. blödsinnigen) Vergewaltigung durch seine eigenen Politiker nicht einmal mehr äußern darf, quält er in seiner Pein seinesgleichen. Er will sich und andere zu dem zwingen, was er angeblich zu WOLLEN hat, und er sucht auch andere europäische Völker zu zwingen. Diese Politiker abzuwählen und zu sagen, ja, ich will mein Schicksal selbst in die Hand nehmen – diesen Mut hat er nicht. Damit hat die Mehrheit, insbesondere die „alten weißen Männer und Frauen“, die sich mit dem falschen Versprechen von Sicherheit und nostalgisch-guter-alter (CDU)Zeit einwickeln ließen und diese Leute bis heute an der Macht gehalten haben, heute genau die Merkels und Schäubles, die sie verdient. Aber wir Andersdenkende verdienen sie nicht!
Über die geradezu selbstzerstörerische Sucht der amtierenden Politelite, dieses Land in EU-Zentralismusstrukturen aufzulösen, exemplifiziert durch Schäuble, und somit Macht ohne Rückbezug und Verantwortlichkeit gegenüber dem eigenen Staatsvolk auszuüben, will ich heute gar nicht reden. Es würde den Rahmen dieses (ohnehin) sehr langen Kommentars vollständig sprengen. Dies Phänomen, das letztlich Herrschaft und Privilegien unter Ablehnung der letztgültigen Verantwortung bedeutet, zieht sich von den Kreistagen aufwärts über die Länderparlamente in den Bundesrat und Bundestag. Es findet geradezu ein Wettbewerb statt, Souveränität und damit Verantwortung an kollektive Ordnungen delegieren zu wollen – und umgekehrt, sich auf solche Ordnungen als unangreifbare Legitimität zu berufen, wenn man seinem Staatsvolk keine Rechenschaft mehr geben will. Wenn kein Sinn mehr da ist, hält man sich mit Blödsinns-Zwang an der Macht.
Die Staatsmacht, die sich im Quälen der Bürger zur Allmacht aufblasen will, aber keine realen Probleme mehr lösen kann, flüchtet sich in Buchstabenmystik und vermeintlich magische Zauberformeln (AHA, 3g usw.). Sie erklärt die Nebensächlichkeit, das Unwichtige, ja sogar das Abseitige für wichtig, um ausgesprochene Zwangsgemeinschaften zu schaffen – die Regenbogenflagge über Kabul zum Beispiel, die Ansprüche sexueller Minderheiten, den mit allen Mitteln plötzlich popularisierten Minderheitensport, die vermeintliche neue Normalität gemischtstämmiger Akteure (insbesondere kaffeefarbener Frauen) in JEDEM banalen Werbeprospekt. Mit denselben Propagandamitteln wurde schon einmal eine vermeintliche „Volksgemeinschaft“ des Leidens und des versprochenen Erlösungsweges suggeriert. Diesmal freilich soll eine postethnische vermeintliche „Weltgemeinschaft“ eines unifizierten Menschenschlages propagiert werden. Der Deutsche hat Angst vor der Ungewißheit, und deshalb hat er Angst vor der kühnen Eigenverantwortung. Das Geschwätz vom Weltuntergang ist da nichts anderes als die Ablehnung von Verantwortung für das Hier und Jetzt, die Verweigerung vor realen Problemen. Wem die Zukunft zu schwer wird, die Verantwortung für die eigenen durch Amtseid Schutzbefohlenen zu schwer wird, der löst sich in einer EU auf, oder er erklärt gleich den kommenden Weltuntergang. Der Deutsche hat eine Presse, die das verbreitet, was die Machthaber für wahr erklären, denn der Deutsche hat eine Presse, die Teil der Macht sein will. Wer souverän ist, der kann niemandem Verantwortung aufdrücken, kann niemanden fragen – er muss selber Verantwortung tragen, muss selber Entscheidungen treffen. Dies informiert und unter Abwägung sorgfältig zu tun, zeichnet Staatsmänner aus. Selbstverständlich auch Staatsfrauen, aber ein solches Format sehe ich derzeit bei uns nicht.
Wenn heute selbst die CEOs der größten Konzerne den Klimawahn des Greta-Erlöserkindes nachplappern (müssen), dann sollte man sich Gedanken machen, welche Investmentfonds bei diesen Konzernen Sperrminoritäten haben und wie weit die DivestInvest Bewegung (s. https://www.divestinvest.org/, insbesondere die dort angebotene Excel-Tabelle der Mitglieder) inzwischen gediehen ist – nämlich zu 14,5 Billionen USD, die nicht mehr „klimaschädlich“ angelegt werden. In Deutschland etwa gehören unter anderem Stadt und Land Berlin, einige Städte und Landkreise, diverse protestantische Kirchen, die Allianz Gruppe und die Pensionsfonds der Länder Baden-Württemberg und Brandenburg dazu. Konformität und z.B. das erniedrigende Bekenntnis der Industrie zu den angebliche phantastischen Elektroantrieben werden einfach dadurch erzwungen, dass man den Unternehmen das Geld abdreht. Glauben Sie etwa, dass zu schwarz-weißen NS-Regimezeiten in Deutschland anders gehandelt wurde, als dass derjenige, der nicht in der Rüstung mitspielen wollte, keine Kontrakte mehr erhielt und aus seinem eigenen Unternehmen gedrängt wurde? Glauben Sie, ein Druck, der den täglichen Klimakotau der vermeintlich Mächtigen bewirkt und uns eine vermeintliche Realität samt vermeintlich freiwilliger „Transformation“ zeigt, fände heute nicht statt? Die Frage ist – gerade nach Schäubles Äußerungen – ob es überhaupt noch die eigenen nationalen Politiker sind, die den Ton angeben, nach dem hierzulande getanzt wird: Insgesamt eine sehr, sehr erniedrigende Erfahrung für jeden aufrichtigen Patrioten, der seinem Land das Beste wünscht. Die Regierung spaltet derweil bewußt das Land, indem sie niedrigste Emotionen und Ängste schürt, und die Weichen, Ängstlichen, Beeinflussbaren auf die Kühnen und die Selberdenker hetzt, deren Dasein (als ständiges Gegenmodell zu ihrer eigenen Unfähigkeit und Abhängigkeit) sie nicht ertragen kann. Alles außerhalb der EINHEITSMEINUNG, der pure Wunsch etwas jenseits der offiziell verkündeten Klima-Gleichheits-Mittelalter-Hobbitwirtschaft ausschließlich lieber, argloser Menschen reformieren zu wollen, wird zu Extremismus erklärt. Wie die Maya absurde Blutrituale pflegten, die die reale Welt beeinflussen sollten und reale Probleme zu lösen vermeinten, so pflegen wir absurde und sterile CO2-Rituale, als sei unsere Gesellschaft zu alt, sich zu erneuern, und suche in einem dunklen Trieb die Selbstauslöschung in formelhaftem und nutzlosen Treiben, in tumben Ersatzhandlungen. Es wird ein absurder GLAUBE inszeniert, und soll erzwungen werden, der eine völlig verfahrene Gesellschaft vermeintlich rette; dabei werden es eher die Barbaren sein, die über den Zaun kommen, welche ihre ganz andere und vor allem vitale Gesellschaft errichten. Die staatliche Diskriminierung gesunder, unbescholtener Bürger wird von den Medien unterstützt und von den Bürgern im Großen und Ganzen klaglos als vermeintliche Normalität hingenommen. Machtlos und stolz drauf, in der selbstverordneten armseligen Illusion, es werde von höheren Mächten gut für uns Deutsche gesorgt: Ein souveränes Staatsvolk sieht anders aus.
Kennen Sie Robert Harris‘ Thriller „Fatherland“ (1992)? Was schreibt der Widerstand da nachts auf die Wände? „Wer sich nicht freut, wird erschossen.“ Die gegenwärtigen Zustände mit ihrem nichtsnutzigen Zynismus bedrücken den Patrioten, der seinem Land das Beste wünscht und der ein System reformieren, will, das in seiner Fehlorientierung und seiner Ineffektivität in praktischen Fragen unserem Land die Lebenszeit wegfrisst. Denjenigen, der sich dem System andient, um einen parasitischen Lebensentwurf zu verwirklichen, kümmert die Frage der Souveränität nicht – die letztlich die Freiheit zur Pflege der eigenen Lebensinteressen ist.
In Stuttgart hängen Plakate einer sehr jungen SPD-Bundestagskandidatin aus, die auf mich schlicht wirkt wie frisch vom Ponyhof, oder mit einem Geigenkasten samt Bommel-Strickpüppchen auf dem Rücken. Fast denke ich mir: Kein Zweifel an den ehrlichen Intentionen dieses Fräuleins! Auf dem tiefroten Plakat fehlt mir nur der Slogan: „Wählt mich! Ich glaube den Dreck wenigstens!“ Das scheint mir immer noch mehr als das Meiste, was mir die Meisten heute erzählen wollen und ist wohl in seiner ultranaiven Ehrlichkeit wenigstens eine Art von sittlichem Verdienst in der jungen politischen Linken. Man hat denen derart den Kopf gewaschen, ihnen eine „epic mission“ verpasst, dass ihr an der Nase herumgeführter Idealismus geradezu rührend ist.
Die Sehnsucht nach Souveränität in unserer Nation ist groß, wird aber verweigert oder erst gar nicht gewagt. So kommt all das Selbstquälerische und das Überwachend-Sadistische daher, dass man es sich verkneift, es nicht zu dürfen wagt, und darum andere leiden macht, denen es auch nicht besser gehen soll. Gerade die Politiker unserer stagnierenden Republik wollen sich damit rechtfertigen, dass sie nicht etwa unsere Interessen vertreten, sondern sie wollen die Instanz sein, die uns gängelt und kontrolliert – angeblich, damit wir „angesichts unserer Geschichte“ nicht aus der Art schlagen. Demokratie ohne erniedrigende geistige Leitplanken soll es nach ihrem Willen nicht geben. Die institutionelle Verewigung der zwölf Jahre NS-Zeit dient ihnen dazu, sich vom Volkswillen unabhängige eigene Moral-Aufpasser-Legitimitäten (in übernationalen Rahmenwerken) bauen zu wollen, die einen Puffer zwischen sie und unseren Willen legen, die unseren Willen relativieren und in ihrem Prisma vermeintlicher Vernunft und vermeintlicher historischer Notwendigkeit brechen sollen. (Die GRÜNEN sind der lebendige Beweis). Im Grunde haben wir es wieder mit einer – über die Parteienstrukturen nämlich– postdemokratisch feudalisierten Macht zu tun, einem neuen Pseudoadel, wo nicht gar mit absolutistischem Anspruch, dem freilich die leistungsfähige Schutzfunktion völlig fehlt, die den Machtanspruch des Adels rechtfertigte. Man könnte ihren Gedanken nachvollziehen, gäbe es unter diesen Anmaßenden nicht so viel reale Korruption. Die Gewaltenteilung wird aufgelöst, indem sich Parlamentsmehrheiten zu Abnickmaschinen für die Exekutive machen und die höchsten Gerichte mit abgelegten Berufspolitikern beschickt werden. Der ideelle Unterbau wird gekauft, indem man sich Wissenschaftler als Maskottchen hält, so wie es dem Adel früher nützlich war, einen Bischof in der Familie zu haben. Deutsche Souveränität sei, so suggerieren sie ständig im eigenen Interesse, irgendwie gefährlich und böse, da ja angeblich die Welt unter ihr zu leiden haben würde. Einen größeren Blödsinn habe ich noch nie gehört. Glückliche Deutsche, zumal eine überalterte Gesellschaft, die man ihr Land genießen lässt, lassen ihre Nachbarn in Ruhe. Geben wir besser acht, ob uns nicht unter dem Anschein der Flüchtlingshilfe eine künftige Bürgerkriegsarmee junger Männer im besten wehrfähigen Alter ins Land geholt wird!
Die Sehnsucht nach deutscher Souveränität und Einheit wurde sicherlich – um nicht weiter rückwärts zu gehen – im Dreißigjährigen Krieg erfunden, wenn nicht schon zu Luthers Zeiten. Jede fremde Macht konnte für ihre Interessen in deutsches Land einmarschieren, solange der Krieg ihre Armeen ernährte. Die Französische Revolution brachte Terror, aber sie brachte auch das Konzept des vor dem Gesetz gleichen Staatsbürgers, das Schleifen geistlicher und Adelsprivilegien. Ihre Volksarmeen waren leistungsfähig und brachten, als der blutwütige revolutionäre Terror sich totgelaufen hatte, den selbstgekrönten Kaiser der Franzosen, Napoleon Bonaparte an die Macht. Für die deutschen Fürstenstaaten, sofern sie nicht mit den Franzosen kollaborierten, folgte tiefste Erniedrigung. Aus Preußen heraus kam die Verbindung mit den Russen, kam die Stein-Hardenberg’sche Heeresreform, kam der Volkskrieg gegen die Franzosen, kamen die fechtenden Burschenschaften. Und auf beiden Seiten bluteten und starben Deutsche. Deutsche erhofften die napoleonische Modernisierung, die Chancengesellschaft, die Egalisierung der Stände – und wurden auf dem Wiener Kongress förmlich in den Biedermeier zurückgebombt, zu Untertanen in fürstlichen Polizeistaaten, Zensur- und Denunziantenregimes gemacht, wo die ständisch Mächtigen sich politisch arrangierten, keine Volksvertretungen und schon gar keine revolutionären „Umtriebe“ zu dulden. Die Bürger, die Biedermeier, sollten einander sentimentale Schwärmerei ins Poesiealbum schreiben und sich jeder Politik enthalten – das ist eine bleierne, eine sterile Periode unserer Geschichte, an die ich mich in heutigen Zeiten am meisten erinnert fühle.
Die Bürger, so wie heute ich, verachteten diesen Adel in seiner Dekadenz. Sie demonstrierten Ordnung, Fleiß, Schöpferkraft, vermeintliche Einfachheit, häuften Geld und Einfluss an und setzen sich demonstrativ vom korrupten Adel ab. Sie waren Erneuerer. Die Studenten rebellierten, sie wollten politische Bürger sein, wollten nicht ihre Intelligenz beleidigt sehen, wollten nicht für die Fürstenherrschaft in den Freiheitskriegen ihr Leben riskiert haben – sie feierten ihr Hambacher Fest. Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die Revolutionen, bunt, unerfahren, idealistisch – sie wurden von den Adelsstaaten mit Hilfe preußischen Militärs erstickt, die rührigsten und sicher nicht die am wenigsten fähigen Geister ins Exil gezwungen. Die neue Welt nahm sie auf und profitierte von ihrer Energie und demokratischen Gesinnung. Der unmittelbare Initialzünder für einen deutschen Zentralstaat wird die Zollunion gewesen sein. Bismarck einigte das Reich mit Gewaltpolitik, indem er das multiethnische österreichische Kaiserreich von der „Deutschen Frage“ ausschloss und die Franzosen zum Krieg provozierte. Im Spiegelsaal von Versailles wurde das zweite deutsche Kaiserreich ausgerufen, und das französische Reparationsgeld schob einen phantastischen industriellen Aufschwung an. Die Euphorie des frühen Kaiserreiches, die Freude an der Nation, muss groß gewesen sein: Wie sonst ließen sich in einer autoritären Ordnung mit Wahlrecht nach Vermögen eine Blüte von Wissenschaft und Philosophie erklären, von deren Ruf und Leistung wir Deutschen heute noch zehren und die wir nie wieder erreicht haben? Und dennoch war ein Bismarck klug genug, mit einer vorbildlichen, zuvor nie dagewesenen Sozialgesetzgebung, die Gegensätze zwischen den Besitzenden und den Lohnabhängigen so zu regulieren, dass revolutionäre Unruhen vermeiden werden konnten. Dies letztlich indirekt bewirkt zu haben, kann man als die große historische Leistung der deutschen Sozialdemokratie bewerten: Politische Macht hatte sie nicht, aber ihr Dasein zwang die politische Macht zur Problemlösung. Preußen-Deutschland wurde ein multiethnisches Imperium, in dem auch für die ethnischen Minderheiten die Selbstgermanisierung attraktiv wurde, weil sie soziale Aufstiegsmöglichkeiten versprach. Das Produkt war deutsch.
Das neue Kaiserreich war mit seinen Teilhabe-Ansprüchen anderen Mächten im Weg, und es verhielt sich nicht immer taktvoll. Man mag sagen, der neue Großakteur hatte seine Rolle noch nicht gefunden. Er wollte bei der Verteilung der Rohstoffgebiete der bekannten Erdteile, die die Alte Welt hier vornahm, nicht übergangen werden. Ein verlorener Weltkrieg (1918) machte Deutschland zur Geisel der Sieger, die ihm – der US-Präsident Wilson – einen Frieden ohne Sieger und die Selbstbestimmung der Völker in einem Völkerbund versprochen hatten. In der Praxis erwiesen diese Versprechen sich dann als Zersetzungspropaganda: Deutschland hatte in ruinösester Weise Reparationen zu zahlen, und die Selbstbestimmung der Völker wurde ausschließlich auf Kosten der Kriegsverlierer verwirklicht. Die Weimarer Republik war derart in wirtschaftlicher Not gefangen und hatte sich gegen die Territorialansprüche neu erstarkter Staaten zu behaupten, dass sich keine stabile Demokratie entwickeln konnte. Knapp sechs Millionen Arbeitslose sprechen für sich. Souveränität gestalten konnte der erste demokratische Staat auf deutschem Boden gewiss nicht.
Die Zeit des NS-Reiches spricht ebenso für sich; an ihrem Ende steht der moralische, der wirtschaftliche, der geopolitische Krach des Landes mitsamt einem verlorenen Weltkrieg und gut sechs Millionen Toten und 14 Millionen Heimatvertriebenen. Mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerungen aus ihren mittelosteuropäischen und südosteuropäischen Siedlungsgebieten war die Basis einer territorialen Revision entfallen, wie sie nach den Gebietsverlusten des Ersten Weltkrieges noch nahezu einmütig vom ganzen Volk getragen worden war. War Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg der amputierte Rumpf eines Imperiums gewesen, so war Deutschland jetzt ein besetztes und geteiltes Land, unterliegend den Feindstaatenklauseln in Art 53 und 107 der UN-Charta ( https://unric.org/.../uploads/sites/4/2020/01/charta-1.pdf; sie wurden durch Resolution 49/58 der Generalversammlung vom 9. Dezember 1994 für „obsolet“ erklärt, aber nie aus der Charta gestrichen). Mit den Verbrechen der NS-Diktatur war jede moralische Legitimitätsbasis auch für BERECHTIGTE deutsche Positionen entfallen. Westdeutschland suchte sich in dem Maße fremde kulturelle Vorbilder, als es sich mit seiner eigene Geschichte nicht ehrlich auseinandersetzen mochte. Die 1968er besorgten den Rest. Die Frankfurter Schule übte Fundamentalkritik an allen bürgerlichen und nationalen Gewißheiten und konnte in dem Maße Boden gewinnen, wie bürgerliche Kreise in einen vulgären Konsumismus abglitten und jeden Bedarf an geistiger Substanz negierten. So erst entstand, durch den Ausfall des bürgerlichen Lagers, ein Vakuum an Sinn-Angeboten, das die 1968er offensiv füllten – indem sie alles Bisherige als kompromittiert, als irgendwie „Nazi“, denunzierten. Eine bürgerliche Gegenposition fiel wegen Desinteresse, ja Verachtung für Geistigkeit aus. Alle ideell-moralischen (und nicht wenige faktische) Probleme der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden zu Lasten des „einen Schuldigen“, des deutschen Kriegsverlierers nämlich, gelöst. Dass die europäischen Beziehungen der 1930er Jahre deutlich komplexer waren als eine solche krude Deus-ex-machina Erklärung, dass die Weimarer Republik unter dem Versailler Vertrag weit eher Objekt der Gelüste vor allem ihrer polnischen Nachbarn denn Subjekt war, finden Sie (Wunsch vorausgesetzt) anschaulich geschildert z.B. bei Oskar Reile (Der deutsche Geheimdienst im II. Weltkrieg. Ostfront. Die Abwehr im Kampf mit den Geheimdiensten im Osten. Augsburg 1990. ISBN 3-89350-068-5). Im Übrigen bietet das vielfach hoch gelobte Buch des Schotten Neil MacGregor( https://de.wikipedia.org/wiki/Neil_MacGregor; Deutschland. Erinnerungen einer Nation. München 2017. ISBN 978 3 406 71232 6) eine freundliche deutsche Geschichte dar, welcher die selbstanklägerische Tranigkeit deutscher Werke fremd ist.
Der Ausgang des II. Weltkrieges ist bekannt, ebenso das moralische Debakel der NS-Herrschaft, die bis heute von Deutschlandhassern zur Begründung herangezogen wird, das Existenzrecht der deutschen Nation zu bestreiten. Bis zum sogenannten „Deutschlandvertrag“ ( http://www.documentarchiv.de/brd/dtlvertrag.html; https://www.kas.de/c/document_library/get_file...) war der Westen des geteilten Deutschlands Besatzungsrecht unterworfen. Die von den Westalliierten hineingeschriebene „volle Macht eines souveränen Staates über ihre inneren und äußeren Angelegenheiten“ der Bundesrepublik sollte man mit einem trockenen Lachen kommentieren. Denn (Art. 2): „Im Hinblick auf die internationale Lage, die bisher die Wiedervereinigung Deutschlands und den Abschluß eines Friedensvertrags verhindert hat, behalten die Drei Mächte die bisher von ihnen ausgeübten oder innegehabten Rechte und Verantwortlichkeiten in bezug auf Berlin und auf Deutschland als Ganzes einschließlich der Wiedervereinigung Deutschlands und einer friedensvertraglichen Regelung. (…). (Art. 4) Bis zum Inkrafttreten der Abmachungen über den deutschen Verteidigungsbeitrag behalten die Drei Mächte weiterhin ihre bisher ausgeübten oder innegehabten Rechte in bezug auf die Stationierung von Streitkräften in der Bundesrepublik. Die Aufgabe dieser Streitkräfte wird die Verteidigung der freien Welt sein, zu der die Bundesrepublik und Berlin gehören. (…).“ Nun – als die Bundeswehr längst aufgestellt war, überdies NATO-Kommando unterstellt, blieben die fremden Truppen natürlich. Art. 3 schrieb eine Bindung westdeutscher Politik an die Charta der Vereinten Nationen bereits fest. Mit dem „Vertrag über den Aufenthalt ausländischer Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland“ vom 23. Oktober 1954 wurde das Besatzungsrecht abgelöst durch eine Vereinbarung, die deutlich hübscher aussah, da die Anwesenheit fremder Truppen – in der gleichen Stärke wie zuvor die Besatzungstruppen – nun nicht auf dem schnöden Recht des Siegers beruhte ( https://www.cvce.eu/.../54a13f91-b0ed.../publishable_de.pdf; http://www.abg-plus.de/ebuecher/abg_all/index.html). Nun ging es um die noble Verteidigung der freien Welt aufgrund einer vorgeblich unter gleichen Partnern getroffenen Vereinbarung. Dieser Vertrag sollte grundsätzlich enden, sobald … „Artikel 3 (1) Dieser Vertrag tritt außer Kraft mit dem Abschluß einer friedensvertraglichen Regelung mit Deutschland oder wenn die Unterzeichnerstaaten zu einem früheren Zeitpunkt übereinkommen, daß die Entwicklung der internationalen Lage neue Abmachungen rechtfertigt. (2) Die Unterzeichnerstaaten werden die Bestimmungen dieses Vertrags zur gleichen Zeit und gemäß den gleichen Bedingungen, wie sie in Artikel 10 des Vertrags über die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Drei Mächten vorgesehen sind, überprüfen.“
Die deutsche WIEDERVEREINIGUNG von 1990 wäre der Zeitpunkt für diese Überprüfung gewesen, wenn man mit Deutschland schon keinen FRIEDENSVERTRAG schloss. Denn die Sowjetarmee zog bis 1994 aus Deutschland ab. Jedoch gilt dieser Aufenthaltsvertrag von 1954 bis heute, denn er wurde von der Bundesrepublik 1990 – mit zweijähriger Kündigungsfrist – einfach verlängert. Wenn ich die Dokumentation im Bundesgesetzblatt dazu nicht völlig gegen den Strich lese, hat die Bundesrepublik diese Verlängerung sogar SELBST vorgeschlagen („Vereinbarung vom 25. September 1990 über den Aufenthalt ausl. Streitkräfte in Deutschland“ - Notenwechsel, s. https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav...). Zufallsfund: 2015 scheint eine Petition, die den Abzug der ausländischen Streitkräfte (und Kernwaffen) forderte, wegen Aussichtslosigkeit vom Bundestag abgelehnt worden zu sein. Hier werden auch Truppenstärken genannt ( https://deutschermensch.wordpress.com/.../vertrag-ueber.../; ich trage keine Verantwortung für diese Seite, zu der ich kein Impressum gefunden habe). Erinnerlich wird sein, dass kein Snowden und kein Assange in Deutschland politisches Asyl erhielten. Mit so vielen US-Soldaten im Land, wie auch? ---
Der „Vertrag vom 12. September 1990 über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland“ („2+4-Vertrag“, s. https://www.auswaertiges-amt.de/.../vertragstextoriginal...; https://www.auswaertiges-amt.de/.../vertragstextbgbl-data...) ist offensichtlich kein Friedensvertrag, denn ein solcher hätte die Geschäftsgrundlage des Aufenthaltsvertrags beseitigt. Er vereinigt auch nur einen Teil des 1937 Reichsgebiet gewesenen Gebietes. Stattdessen wurde der Aufenthaltsvertrag verlängert, als habe sich am deutschen Status nichts Wesentliches geändert. Die nach dem II. Weltkrieg verlorenen Ostgebiete aber, in den Schulatlanten noch der 1970er Jahre „unter polnischer Verwaltung, unter sowjetischer Verwaltung etc.“ und später praktisch annektiert, wurden durch den „2+4-Vertrag“ seitens der Bundesregierung de facto als herrenlos AUFGELASSEN. Denn der „2+4-Vertrag“ definiert das bundesdeutsche Staatsgebiet als die alte BRD plus die DDR und erkennt den Grenzvertrag der DDR mit Polen an. So einfach geht es, wenn man nicht darüber reden will oder nicht darüber reden darf!
Die Vertragsverlängerung ohne – von deutscher Seite – erkennbare Notwendigkeit (Schlagwort: „von Freunden umzingelt“) wird auch aus dem linken politischen Spektrum zu Recht moniert ( http://www.nrhz.de/flyer//beitrag.php?id=22868). Ramstein, Rhein-Main-Airbase, die Regionalkommandos der Amerikaner, ihre Geheimdienstniederlassungen – all diese meines Erachtens ANOMALIEN auf deutschem Boden beruhen auf diesem Vertrag, den zumindest auf dem Papier die Bundesrepublik jederzeit kündigen könnte. In Ramstein werden aus Afghanistan Ausgeflogene jetzt geparkt, so viele junge Männer, und ich habe Zweifel, ob sie deutschen Boden je wieder verlassen ( https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/-/2477748). Die Darstellung des Auswärtigen Amtes zum Truppenstationierungsrecht klingt zwar vornehm ( https://www.auswaertiges-amt.de/.../truppenstation.../217066), aber die Machtprobe mit den US-Interessen hat eben noch keiner gewagt. Der große Knüppel ist im Land geblieben und tut eigentlich was er will. Ob die US-Truppen und ihre Geheimdienstfreunde vielleicht auch ohne das schöne Recht da wären, das unser Staat ihnen einräumt? Denn einen FRIEDENSVERTRAG, der den Aufenthaltsvertrag (1954 bzw. 1990) per definitionem beenden würde, haben wir bis heute nicht – und sicherlich aus dem Interesse der Amerikaner und unserer eigenen Souveränitätsverweigerer heraus nicht. Keine volle Souveränität seit dem 8. Mai 1945, sagt Schäuble. Richtig ist: Es war so bequem, es überhaupt nicht zu versuchen und seine Minderwertigkeitskomplexe dann anderen in der Form einer Ersatzbefriedigung von dauermoralisierender Großmannssucht anzuhängen. Ohne unserer Souveränität wieder zu erlangen, ohne unsere Komplexe abzustreifen, wird sich aber keine Zukunft bauen lassen.
Ihr
Emil Sänze









